Welche Weltordnung nährt Kriege, aber ernährt nicht die Menschen?
In seiner Ansprache vor dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen am Montag in Rom erklärte Papst Leo XIV., die Welt „könnte ohne Hunger leben“ – die Nahrungsmittel seien vorhanden, die Kapazitäten seien vorhanden –, doch die Ressourcen flössen in Kriege, so dass „Konflikte leichter ,genährt’ als Menschen ernährt werden.“ Er ging über einen bloßen Aufruf zu mehr Hilfe hinaus. Stattdessen fragte er, warum sich solche Katastrophen immer wieder wiederholten: „Welche globalen Strukturen sind in der Lage, solche Bedingungen hervorzubringen, aufrechtzuerhalten und mitunter sogar zu normalisieren?… Warum erzeugt das System fortwährend genau jene Probleme, die es anschließend zu beheben gezwungen ist“. Dahinter, so sagte er, verberge sich eine moralische Tatsache: „Der Mensch steht nicht mehr konsequent im Mittelpunkt des internationalen Handelns.“
Hier ist eine Antwort auf seine Frage: Im Libanon zählte das das UN-Entwicklungsprogramm diese Woche mehr als 11.000 zerstörte Gebäude und 963.000 Menschen – jeder sechste Libanese –, die aus ihren Häusern vertrieben wurden, während Benjamin Netanjahu über seinen Gesandten Ron Dermer darauf hinwirkt, die Bombardierungen ungestraft weiterzuführen und das Abkommen zwischen den USA und dem Iran zu verhindern. Der Mensch wird aus dem Mittelpunkt verdrängt, und die Katastrophe wird reproduziert. Welche Weltordnung lässt dies zu?
Doch die Frage des Papstes hat noch eine weitere Antwort, die von jenen gegeben wird, die eine andere Weltordnung aufbauen wollen. Diese Woche trafen sich in Neu-Delhi die Sicherheitschefs von elf BRICS-Staaten. Am Rande dieseKonferenz brachten der chinesische Außenminister Wang Yi und Indiens Sicherheitsberater Ajit Doval die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Welt voran und bereiteten die nächste Verhandlungsrunde zur Beilegung ihres seit langem schwelenden Grenzkonflikts vor. Und die seit langem diskutierte Rohstoffbörse des Blocks – eine von Russland angeführte Initiative, den Handel mit Getreide und anderen Gütern außerhalb der vom Westen kontrollierten Märkte durchzuführen – entwickelt sich von der Idee zum konkreten Konzept; laut Interfax soll bis zum 1. Juli ein Arbeitsplan vorliegen.
Ein Beweis dafür, dass menschliche Vernunft auf einer Zeitskala von Jahrhunderten statt auf Wahlzyklen aufbauen kann, zeigt sich im JUNO-Detektor zur Messung von Neutrinos, der Veröffentlichung eines Katalogs mit 390 Gravitationswellenereignissen und dem neuen Vera-Rubin-Teleskop, das Tausende von Asteroiden kartiert, die zuvor noch niemand gesehen hatte.
Demgegenüber ist das Programm der Zerstörer klar und deutlich. Bundeskanzler Merz erwirbt für Deutschland einen 40-prozentigen Anteil am Panzerbauer KNDS und kündigt an, die gesetzliche Rente praktisch abzuschaffen, um die Aufrüstung besser finanzieren zu können. Die US-Armee richtet ein neues Pazifikkommando ein, das ganz offen den Krieg gegen China vorbereiten soll. Das Erbe von Jahrhunderten – einschließlich des antikolonialen Gründungsprinzips der Vereinigten Staaten – wird wie ein Fundus behandelt, aus dem man endlos schöpfen kann.
Die Entscheidung, von der der Papst sprach, liegt bei uns, und die Zeit drängt. Am 23. Juni finden in New York Vorwahlen statt – auch unter Teilnahme des Kongresskandidaten Jose Vega, der im November auch als Unabhängiger Kandidat auf dem Stimmzettel steht. An diesem Freitag trifft sich zudem erneut die Internationale Friedenskoalition.
„Wir verstehen die Gesetze des Universums“, schrieb LaRouche, „nur in dem Maße, in dem wir in der Lage sind, unseren Willen durchzusetzen, um den Lauf dieses Universums zu verändern“; und da unsere Entdeckungen uns überdauern, ist „die Weitergabe gültiger kognitiver Grundgedanken über viele Generationen hinweg“ der „Zugang des Einzelnen zur Unsterblichkeit“. In einer Republik werden Ideen auf dieselbe Weise vermittelt.
Die Vereinigten Staaten, die bald ihr 250-jähriges Bestehen feiern, waren einst die große antikoloniale Republik – und können es wieder sein.
Am 3. Juli erhält Papst Leo in Philadelphia die Freiheitsmedaille, und am 5. Juli folgt Diane Sares Gedenkveranstaltung „America 250: A Re-Dedication“, die den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung mit der Herausforderung verbindet, die Zukunft Amerikas neu zu gestalten.
Das System reproduziert Katastrophen nur so lange, wie wir es zulassen. Welche Weltordnung wollen wir stattdessen in den Mittelpunkt stellen?
Inhalt
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- In der Schweiz wird ein Friedensmechanismus etabliert. Israel empört sich über seine Ausgrenzung
- Israelische Truppen in Somaliland?
- US-Armee richtet neues Kommando zur Eindämmung Chinas ein
- Deutschland steigt beim Rüstungskonzern KNDS ein
ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEM
- Greenspan gestorben, doch seine Sünden überdauern ihn bis heute
- Papst Leo XIV.: Welche Weltordnung „nährt“ mehr Konflikte als sie Menschen ernährt?
NEUES PARADIGMA
- Indien veranstaltet Treffen der BRICS-Sicherheitsberater
- BRICS treibt Pläne für eine eigene Rohstoffbörse voran
WISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE
- Rubin-Observatorium entdeckt 11.000 Asteroiden – neue Möglichkeiten für den Schutz der Erde