Das neue Paradigma hat bereits begonnen

Das neue Paradigma hat bereits begonnen
Plenartagung des Internationalen Wirtschaftsforums XXIX St. Petersburg. Bildnachweis: kremlin.ru

Lassen Sie Ihre Gedanken ins Jahr 2050 schweifen. Halten Sie inne und lassen Sie diesen Augenblick in Ihrem Geist lebendig werden. Stellen Sie sich die zehn Milliarden – oder mehr – Menschen vor, aus denen die zukünftige Menschheit besteht, von denen ein Viertel auf dem afrikanischen Kontinent lebt, und machen Sie sich bewusst: Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es keine Armut mehr – ein Relikt einer Gott sei Dank vergangenen Epoche. Die Lebenserwartung ist deutlich höher als noch vor einer Generation. Moderne Infrastruktursysteme haben Wasser- und Nahrungsmittelknappheit beseitigt. Nahezu grenzenlose Energie wird durch Kernkraft bereitgestellt, sowohl durch Kernspaltung als auch durch Kernfusion. Welche Entwicklungen haben uns in diesen viel menschlicheren Zustand gebracht?

Einige unbelehrbare Zyniker, die unter dem Pessimismus einer zerfallenden westlichen Kultur leiden und vergessen haben, was es bedeutet, Mensch zu sein, werden wahrscheinlich protestieren, dass dies eine naive, idealistische Fantasie sei. Doch wer das gerade zu Ende gegangene St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum (SPIEF) verfolgt hat, bei dem 24.500 Teilnehmer aus 142 Nationen zusammenkamen, um Vorschläge für wirtschaftliche Entwicklung in einem neuen, entstehenden postkolonialen Paradigma zu diskutieren, stellt fest: Diese Zukunft ist bereits im Gange.

„Die Welt durchlebt derzeit die größte strukturelle Veränderung seit Jahrzehnten“, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am 5. Juni vor dem SPIEF-Plenum. „Dieser Wandel ist kein Übergang von einer Phase eines Zyklus zur nächsten. Wir sind Zeugen eines Paradigmenwechsels der globalen Entwicklung …“

Der chinesische Vizepräsident Han Zheng betonte vor der Versammlung, dass China in nächster Zeit großen Wert darauf legen werde, das globale Governance-System zu verändern, um der Menschheit in einer multipolaren Welt besser dienen zu können. „China beabsichtigt, die Zusammenarbeit mit Russland und anderen Ländern im Rahmen der Global Governance Initiative zu verstärken und gemeinsam auf eine Welt der Offenheit, Toleranz, Gleichheit, Gerechtigkeit und für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit hinzuarbeiten.“

Dies ist keine leere Aussage: China hat in den letzten vier Jahrzehnten 800 Millionen Menschen aus der Armut befreit und seit 2013 im Rahmen seiner „Belt and Road Initiative“ eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit für die wirtschaftliche Entwicklung anderer Nationen ermöglicht.

Beim SPIEF wurde auch über den Bau des Beringstraßen-Tunnels gesprochen. Dessen Planungsphase wird voraussichtlich bis Ende 2026 abgeschlossen sein, möglicherweise mit chinesischer Beteiligung, kündigte der Chef der Russischen Direktinvestitionen, Kirill Dmitrijew, an.

Obwohl die Dynamik hin zu einer neuen Ära der Menschheit gewissermaßen unaufhaltsam ist, gibt es sicherlich einige in der Epstein-Klasse der westlichen Eliten, die sie unbedingt verhindern möchten – selbst dann, wenn dies einen wirtschaftlichen Zusammenbruch und einen Weltkrieg zur Folge hätte.

Dies wird deutlich in der andauernden Militarisierung Europas, die nuklear aufgerüstet wird, in einer faktischen Austeritätspolitik für die Bevölkerung, die durch die Angst vor einer drohenden Invasion aus Russland als notwendig dargestellt wird. Wir sehen es im illegalen Angriff der USA und Israels auf den Iran, in den andauernden Zusammenstößen zwischen iranischen und US-Streitkräften in der Straße von Hormus, die die Situation extrem angespannt halten, und in der Weigerung europäischer „Führer“, den Krieg in der Ukraine aufzugeben, selbst bis zum letzten Ukrainer. Zudem verabschiedete der Streitkräfteausschuss des US-Kongresses am 4. Juni einen Verteidigungshaushalt von 1,15 Billionen Dollar, um den Appetit des Kriegs- und Wall-Street-Imperiums zu stillen.

Die Spannung zwischen diesen beiden gleichzeitig existierenden Zukunftsszenarien wächst von Stunde zu Stunde. Das Zusammentreffen zweier gegensätzlicher Dynamiken der Menschheitsgeschichte entlädt sich in einer komplexen, scheinbar chaotischen Abfolge von Ereignissen. Man sollte der Versuchung widerstehen, diese Ereignisse aus einem banalen Blickwinkel zu erklären, und stattdessen den strategischen betrachten. Denn aus dieser Perspektive ist es durchaus denkbar, dass die menschliche Spezies bis 2050 den Krieg als Methode der Konfliktlösung abgeschafft haben könnte.

„Aus Liebe zur Wahrheit lade ich alle ein, die spalterischen und polarisierenden Erzählungen eurer gesellschaftlichen Realität und Geschichte beiseitezulegen, um unfruchtbare Vereinfachungen durch die fruchtbare Wertschätzung von Komplexität zu überwinden“, sagte Papst Leo XIV. am 6. Juni vor einem Publikum von Diplomaten und anderen Amtsträgern in Madrid. Der Papst fuhr fort: „Die Sicherheit, die wir allzu oft in Waffen und Mauern suchen, erreichen wir am besten, wenn wir lernen, miteinander voranzugehen, gemeinsam zu wachsen und unvermeidliche Konflikte in neue Anfänge zu verwandeln.“

Genau dies ist das Thema der jüngsten Pressemitteilung von Helga Zepp-LaRouche mit dem Titel „Deutschlands UN-Niederlage: Chance zur Neuausrichtung – für Kooperation mit dem Globalen Süden“. Darin schreibt sie: „Von einem tiefergehenden historischen Standpunkt aus betrachtet, ist die Abstimmungsniederlage Deutschlands bei der Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat eine dringend notwendige Chance für die Neuausrichtung der deutschen Politik. Ich fordere seit Langem, dass der Globale Süden angesichts der festgefahrenen geopolitischen Konfrontation zwischen der NATO und Russland und China seine Stimme lauter und energischer in die internationale Debatte einbringen müsse – und genau dies haben diese Staaten mit ihrer Wahlentscheidung gegen Deutschland getan. Die deutschen Institutionen sollten dieses Ergebnis nutzen zu einer ehrlichen Analyse einer offensichtlich vollkommen gescheiterten Außenpolitik und einer Neudefinition im wirklichen Interesse Deutschlands.“

Was Zepp-LaRouche für Deutschland ausführt, müssen Bürgerinnen und Bürger im gesamten Westen als Aufforderung verstehen: Sie müssen die sich bietende Gelegenheit nutzen, um „unvermeidliche Konflikte in neue Anfänge zu verwandeln“ und sich der übrigen Menschheit anschließen, um das neue Zukunftsparadigma in die Gegenwart zu holen.


Inhalt

NEUES PARADIGMA

  • Papst in Madrid: „Spalterische und polarisierende Narrative ablegen“ und „Komplexität schätzen und studieren“
  • Über 1.000 Wirtschaftsabkommen auf dem SPIEF unterzeichnet
  • Usbekistans Präsident Mirsijojew: „Die Welt durchläuft einen tiefgreifenden Umbau“
  • Russland rückt offiziellen Besuch der tansanischen Präsidentin in den Vordergrund

STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR

  • Putin antwortet Selenskij
  • Weitere Zusammenstöße zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus

ZUSAMMENBRUCH DES IMPERIALEN SYSTEMS

  • Rosneft-Vorstand Setschin warnt vor „größter Finanzmarktblase der Geschichte“

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