Wozu eine Straße gut ist
„Das Wesen jeder wirksamen Führung einer Nation“, schrieb Lyndon LaRouche 2002, „misst sich an der intellektuellen Kraft der Weitsicht und des Willens, heute bereits die Errungenschaften künftiger Generationen in Gang zu setzen, die innerhalb der Grenzen einer einzigen Generation nicht verwirklicht werden könnten.“ (Englisches Original hier, deutsche Fassung für Abonnenten der Neuen Solidarität hier.)
LaRouche schreibt dann ausführlich über die grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur – Verkehr, Energie, Wasserwirtschaft, Landgewinnung –, die er in Zyklen von zwei Generationen und mehr bemisst. Den gleichen Gedanken formulierte Dennis Small beim jüngsten EIR-Forum am 31. Juli so: „Eisenbahnen sind nicht wesentlich, um von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Sie sind wesentlich für die Erschließung einer neuen Technologieplattform über ein gesamtes Entwicklungsgebiet hinweg.“
Kommen wir nun zu einer gegenteiligen Auffassung von Infrastruktur:
Am 27. Juli schrieb ein Mitarbeiter des Middle East Forum in der israelischen Zeitung Ynet über die 1055 Kilometer lange Schnellstraße, die entlang der marokkanischen Atlantikküste nach Dakhla führt und kürzlich in „Donald-Trump-Autobahn“ umbenannt wurde. Er schreibt, wer diese Namensgebung als pure Eitelkeit betrachte, sei „oberflächlich und strategisch blind“. Diese Straße „ist kein Prestigeprojekt. Sie ist ein bewusstes Instrument staatlicher Macht.“ Zusammen mit dem Tiefwasserhafen in Dakhla bilde sie „ein wirtschaftliches und administratives Schutzschild…, nicht bloß einen Verkehrskorridor“, sondern „ein praktisches Instrument zur Bekämpfung subversiver Aktivitäten und zur langfristigen Abschottung“.
Wird ein Infrastruktur-Großprojekt gebaut, um das Leben der Menschen entlang der Strecke zu verbessern, oder um sie zu beherrschen?
Diese Schnellstraße ist real und nützlich, und sie verläuft durch die Westsahara, wo das im Waffenstillstand 1991 versprochene Referendum über Selbstbestimmung nie stattgefunden hat, vorbei an Lagern mit 173.000 Flüchtlingen, und sie ist nach einem US-Präsidenten benannt, der als Preis für einen außenpolitischen Kurswechsel die Annexion anerkannt hat. 300 Kilometer nördlich, in Ceuta, überquerten 60.000 Menschen eine geöffnete Grenze und dienten als Druckmittel gegen Spanien. Mindestens 72 Menschen kamen dabei ums Leben.
Aber diese Woche zeigt uns auch den richtigen Ansatz bei der Infrastruktur. Am 28. Juli durchbrachen Tunnelbauer, die von Österreich aus nach Süden und von Italien aus nach Norden arbeiteten, 1400 Meter unter den Alpen die letzte Felswand zwischen ihnen. Durch den Brenner-Basistunnel wird man noch in hundert Jahren Güter zwischen München und Verona befördern, während sämtliche teure Munition, die im Jahr 2026 hergestellt wird, nur noch Schrott sein wird.
Ein Gegenbeispiel sehen wir gerade in Ungarn. Am 2. August musste das Kernkraftwerk Paks, das die Hälfte des Stroms im Land liefert, zum ersten Mal seit 44 Jahren vollständig abgeschaltet werden, weil der Wasserstand der Donau zu niedrig war, um es zu kühlen. Das hat nichts mit Mängeln der Kernenergie angesichts des Klimawandels zu tun. Es ist die Folge davon, dass seit 50 Jahren kein Wasserbauwerk errichtet wurde. Dies untermauert nur LaRouches Argument, dass eine Nation Infrastrukturprojekte für zukünftige Generationen in Gang setzen muss!
Papst Leo XIV. forderte in seiner Ansprache am Sonntag „Lösungen für Frieden, Stabilität und Gerechtigkeit“ – nicht Frieden um jeden Preis, sondern, wie seine Enzyklika betont, „den wahren Frieden, der aus der Gerechtigkeit entsteht“. Paul VI. brachte es 1967 auf den Punkt: Entwicklung ist der neue Name für Frieden. In New York trugen Diane Sare und Jose Vega dieses Argument an diesem Wochenende auf die Straße, indem sie sich dafür einsetzten, die geplante Verschmelzung des amerikanischen und israelischen Militärs zu stoppen, und zu der Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie am 11. September einluden. Als ein Mann wütend über drohende iranische Raketenangriffe schimpfte, fragte einer unserer Aktivisten ihn, ob er glaubt, dass der Mensch von Natur aus böse sei – oder ob er Beethoven darin zustimmt, dass es keinen Krieg mehr gäbe, wenn die Menschen seine Musik verstünden.
Verbreiten Sie das EIR-Forum vom 31. Juli: „Die Einwanderungskrise durch Entwicklung lösen“. Eine Straße kann ein militärischer Schutzschild sein oder eine Plattform für Wachstum – und der Unterschied liegt nicht im Asphalt.
Inhalt
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Trump sagt seinen Großangriff auf den Iran wieder ab
- Wer hat was zugestimmt? Die Jagd nach Modschtaba Chamenei
- „Sie haben die Grenze geöffnet“: Ceuta, Gibraltar und die Abraham-Abkommen
- Beiderseits der Straße von Gibraltar: die Denkfabriken hinter dem Streit um Rota
NEUES PARADIGMA
- Afrikanische Entwicklungsbank bewilligt Millionen für algerische Eisenbahn
- Bevölkerung von Ceuta fällt auf Anti-Einwanderungs-Provokationen nicht herein
- Ein österreichisch-italienischer Händedruck 1400 Meter unter der Erde