Die Welt am Wendepunkt
Am Mittwochabend unterzeichnete US-Präsident Donald Trump im Schloss von Versailles die neue 14-Punkte-Absichtserklärung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, während der iranische Präsident Masoud Peseschkian digital unterzeichnete. Für Freitag ist in der Schweiz eine Zeremonie angesetzt, bei der ein Waffenstillstand sowie weitere Bedingungen vereinbart und der Beginn von 60 Tagen weiterer Verhandlungen festgelegt werden sollen.
Papst Leo XIV. sprach für Milliarden von Menschen, als er in einem Interview sagte: „Gott sei Dank gibt es zumindest dieses Memorandum, das sie am Freitag offiziell unterzeichnen werden … Es werden noch einige Punkte zu klären sein, aber es ist immer besser, dies im Dialog und durch Verhandlungen zu tun, als in den Krieg zurückzukehren.“
Die Welt steht an einem Wendepunkt. Wir hoffen, dass die angekündigten Pläne umgesetzt werden. Gleichzeitig ist der einzige Weg nach vorn für die Menschheit die Umsetzung großangelegter wirtschaftlicher Entwicklung der gesamten Region im Sinne des von der LaRouche-Bewegung vorgeschlagenen Oasenplans. Dies ist auch auf internationaler Ebene notwendig, angesichts der wirtschaftlichen Schockwellen, die den Zerfallsprozess in den Volkswirtschaften des westlichen Systems noch verstärken.
Dazu gibt es einige positive diplomatische Entwicklungen. Der türkische Außenminister Hakan Fidan traf sich heute in Kasan mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, wo sich Spitzenpolitiker aus elf Nationen zum jährlichen Russland-ASEAN-Forum versammelt haben. Es gibt Vorschläge für kollektive Sicherheit in der Region Südwestasiens von ehemaligen Regierungsvertretern aus der Türkei und Ägypten, die in mancher Hinsicht mit Präsident Putins eigenen Vorschlägen der letzten Jahre übereinstimmen und mit dem Ansatz des Oasenplans im Einklang stehen. Gestern wurde auf „The Cradle“ ein Interview mit Hussein Askary, dem Südwestasien-Koordinator des Schiller-Instituts, unter dem Titel „Wie ein iranischer Sieg die Geografie Westasiens neu gestaltet“ veröffentlicht. Hussein Askary: How an Iranian victory is geographically redesigning West Asia | Ep. 30
Doch die Gefahr bleibt bestehen, und das aus mehreren Gründen:
US-Präsident Trump erklärte bei seiner Pressekonferenz nach dem Abschluss des G7-Gipfels in Frankreich den Sieg. Zwar dankte er den Staats- und Regierungschefs vieler Nationen, darunter Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten, sowie Putin und Xi dafür, dass sie im Krieg der USA und Israels gegen den Iran „neutral geblieben sind“. Ansonsten hielt er allerdings eine großspurige Rede nach dem Motto „Macht schafft Recht“. Er schwadronierte darüber, wie er den Iran nach 47 Jahren Sanktionspolitik daran gehindert habe, die Region zu bedrohen und behauptete, der Iran hätte ansonsten „zu 100 Prozent“ eine Atomwaffe eingesetzt. Trump sagte, die Grundlagen für die Absichtserklärung dieser Woche seien von ihm gelegt worden, als er den iranischen General Qassem Soleimani am 3. Januar 2020 bei einem Drohnenangriff tötete. Sollte das neue Abkommen nicht funktionieren, „dann geht es zurück zu den Bombenangriffen.“
Unterdessen reißen die wirtschaftlichen Erschütterungen nicht ab, was Trump heute mehrfach zu der Aussage veranlasste, er wolle kein „Herbert-Hoover-Präsident“ sein, der mit einer Weltwirtschaftskrise in Verbindung gebracht wird. Auch wenn er sein Mantra, die USA hätten die stärkste Wirtschaft aller Zeiten, beibehält, und nichts darauf hindeutet, dass er sich seiner Behauptungen bewusst ist, zeugt diese Aussage von erstaunlicher Genauigkeit. Die Realität ist, dass die wirtschaftlichen Engpässe, Stillstände und das Chaos anhaltende Auswirkungen haben werden, die nur durch fundierte Maßnahmen gelöst werden können.
Für Millionen von Menschen stehen die Lebensgrundlagen auf dem Spiel, wie der heute veröffentlichte Bericht „Hunger Hotspots“ der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und des Welternährungsprogramms (WFP) dokumentiert. In dreizehn Ländern wird sich die Nahrungsmittelknappheit von Juni bis November 2026 verschärfen, wobei etwa 266 Millionen Menschen von schwerer Nahrungsmittelknappheit betroffen sind. Zusätzlich zu den Schocks durch den Iran-Krieg gingen die Nahrungsmittelhilfe, die landwirtschaftliche Nothilfe und die medizinische Versorgung in diesen Regionen zwischen 2022 und 2025 um schätzungsweise 59 Prozent zurück, während gleichzeitig ihre wirtschaftliche Entwicklung gebremst wurde.
Trotz schrecklicher Not gibt es Initiativen für Entwicklung. In Afghanistan beispielsweise, dem östlichen Nachbarn des Iran, wohin Tausende Afghanen aufgrund der regionalen Kriege und des Chaos’ aus dem Iran zurückgekehrt sind. Im Sinne des „Erweiterten Oasenplans“ unternimmt Afghanistan alles in seiner Macht stehende, um seine Landwirtschaft zu modernisieren. Der Bau des Qush-Tepa-Bewässerungskanals im Norden schreitet voran. An diesem Wochenende veranstaltet die Ibn-Sina-Forschungs- und Entwicklungsorganisation (ISRAND) eine virtuelle internationale Konferenz, um über die bestmöglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Kompetenzen der Landwirte in Afghanistan zu beraten.
Der Ansatz des erweiterten Oasenplans drückt die konkrete Umsetzung des Prinzips „Frieden durch Entwicklung“ aus. In diesem Zusammenhang wurden heute zwei wichtige neue Erklärungen veröffentlicht. In Peking hielt Außenminister Wang Yi eine Pressekonferenz ab, in der er China als Gestalter des Weltfriedens und als Mitwirkenden an der globalen Entwicklung bezeichnete und ein neues Weißbuch veröffentlichte: „Gerechtere und ausgewogenere globale Regierungsführung: Chinas Prinzipien, Vorschläge und Maßnahmen“.
Helga Zepp-LaRouche, Gründerin des Schiller-Instituts und Chefredakteurin von EIR, veröffentlichte ein neues Papier mit dem Titel „Dringender Appell von Papst Leo XIV.: ‚Haltet ein! Bereut! Ehe es zu spät ist!‘ Der neue Name für Frieden heißt Entwicklung!“ Zepp-LaRouches Dokument, das über die Enzyklika Magnifica Humanitas des Papstes und seine jüngsten Reden in Spanien berichtet, ruft zum Handeln auf. Ihr Beitrag ist jetzt auf EIR.news veröffentlicht. Die kommende Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am Freitag, dem 19. Juni, bietet die Gelegenheit, darüber zu beraten. Zepp-LaRouche sagte in ihrem wöchentlichen internationalen Webcast des Schiller-Instituts: „Angesichts der außerordentlichen Bedeutung dieser Enzyklika wird dies ein Hauptthema [auf der IPC] sein: Wie kann die Mobilisierung auf allen fünf Kontinenten verstärkt werden, um die Forderungen dieser Enzyklika auf den Tisch der Regierungen und Institutionen zu bringen? Am selben Tag wird das Iran-Abkommen in der Schweiz unterzeichnet, sodass wir zu diesem Thema Referenten aus der Region haben werden. Und natürlich werden wir nach dem G7-Treffen die strategische Lage in Bezug auf die Ukraine neu bewerten.
Machen Sie bitte mit, denn wir brauchen Aktivisten. Was auch immer ein Einzelner in solchen Zeiten tun kann, ist absolut entscheidend, denn in solchen Momenten kann das Eingreifen vieler guter Menschen, die sich für einen guten Plan zusammengeschlossen haben, die Geschichte in eine bessere Richtung lenken und vielleicht ein neues Paradigma erreichen, in dem wir den Schrecken der Problemlösung durch Krieg endgültig hinter uns lassen.“
Hier können Sie den aktuellen deutschsprachigen Webcast mit Helga Zepp-LaRouche ansehen.
Inhalt
ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEM
- Lula da Silva konfrontiert G7-Führer mit wirtschaftspolitischem Versagen
- UN-Generalsekretär Guterres in Haiti
NEUES PARADIGMA
- China veröffentlicht Weißbuch zur globalen Regierungsführung
- Mauretanischer Verteidigungsminister strebt Sicherheitskooperation zwischen Sahelstaaten an
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Polen will dauerhafte US-Stationierung
- Ist der Kongress für kulturelle Freiheit noch aktiv?
WISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE
- Chinas kleiner Fusionsreaktor im FRC-Stil soll bis 2035 fertig sein