„Im sehr Großen wie im sehr Kleinen“

„Im sehr Großen wie im sehr Kleinen“
Illustration für die Bekanntgabe neuer Ergebnisse der LIGO-Virgo-Kagra Collaboration. Quelle: CC/Ingrid Bourgault

Im vergangenen Monat gelang es zwei Teams von Menschen, gleichzeitig bis an die beiden Enden des Universums vorzudringen. In den Hügeln Südchinas fing das JUNO-Observatorium – eine 20.000 Tonnen schwere, mit Szintillator-Flüssigkeit gefüllte Kugel, die von mehr als 43.000 Lichtsensoren überwacht wird und sich 650 Meter unter der Erdoberfläche befindet – das fast schwerelose Flackern von Neutrinos ein und maß in nur 59 Betriebstagen die Gesetze, die diese geisterhaften Teilchen bestimmen, präziser als alle früheren Experimente der letzten Jahrzehnte zusammen. In denselben Wochen veröffentlichte die LIGO-Virgo-KAGRA-Kollaboration ihren neuesten Katalog von Gravitationswellen: Rund 390 Kollisionen von Schwarzen Löchern und Neutronensternen wurden inzwischen aufgezeichnet – Wellen im Gewebe der Raumzeit selbst, von denen eine auf eine Verschmelzung in mehr als drei Milliarden Lichtjahren Entfernung zurückgeführt werden konnte. Vor einem Jahrzehnt hatten wir genau eine entdeckt.

Weder das Neutrino noch das Schwarze Loch kann man sehen, hören oder berühren. Sie liegen, wie Lyndon LaRouche 2010 schrieb, gänzlich außerhalb der Reichweite der Sinne: „Im sehr Großen wie im sehr Kleinen können die Maßstäbe der Sinneswahrnehmung keinen Anspruch mehr auf Autorität über jene Prinzipien erheben, die im Wesentlichen in dem liegen, was Riemann als die Extreme unseres Universums bezeichnet.“ Und genau dort, fügte er hinzu – „in nichts so sehr wie in eben diesen Extremen“ –, müssen die tiefsten Gesetze des Universums gesucht werden. Um sie zu entdecken, wartet die Menschheit nicht darauf, dass die biologische Evolution uns bessere Augen beschert; wir schaffen neue Sinne. Unsere Spezies ist die einzige, die wir kennen, die über ihre eigenen Sinne hinausgreift, um das sehr Große und das sehr Kleine zu erfassen, und die das Universum durch das, was wir lernen, verändert.

Messen wir die Gegenwart an diesem Bild der Menschheit.

In der Schweiz endete am 21. Juni im Ferienresort Bürgenstock die erste Runde der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran im Rahmen des 14-Punkte-Memorandums von Islamabad, vermittelt durch Katar und Pakistan, wobei die USA und der Iran noch nicht direkt miteinander sprachen. Sie einigten sich auf einen Fahrplan für ein endgültiges Abkommen innerhalb von 60 Tagen, auf einen hochrangigen Ausschuss zur Überwachung dieses Prozesses und – was am folgenreichsten ist – auf eine „Streitvermeidungs-Zelle“, die das Ende der Militäroperationen im Libanon sicherstellen soll – was der iranische Außenminister als den „ersten echten Test“ der Verhandlungen bezeichnete. Dieser Test ist bereits im Gange: Israel weigert sich, den Südlibanon zu verlassen (und „nichts wird daran etwas ändern“, wie Ministerpräsident Netanjahu betont), während der Iran die Wiederöffnung der Straße von Hormus an einen echten libanesischen Waffenstillstand geknüpft hat. Die Aussicht auf Frieden ist real, aber fragil.

Selbst wenn er Bestand haben sollte, ist der Schaden bereits angerichtet und breitet sich weiter aus. Nach Schätzungen der Energiemärkte werden bis weit ins Jahr 2027 hinein täglich etwa 15 Millionen Barrel Öl – und das entsprechende Energieäquivalent in Form von Flüssigerdgas – im weltweiten Angebot fehlen, was eine Wirtschaft belastet, die ohnehin schon in der „Alles-Blase“ aus fremdfinanzierten Schulden und Derivaten verstrickt ist. Die Auswirkungen werden, wie so oft, von den Ärmsten zu spüren sein. Der jüngste „Hunger Hotspots“-Bericht der UN warnt davor, dass Hunderte Millionen Menschen mit zunehmendem Hunger konfrontiert sind, während gleichzeitig die Lebensmittel- und humanitäre Hilfe gekürzt wird. Der gleichen Spezies, die JUNO gebaut hat, wird gesagt, dass es nicht genug zu essen geben wird.

Das ist der Widerspruch unserer Zeit. Der Spezies, die die Kollision von Schwarzen Löchern vor drei Milliarden Jahren entschlüsseln kann, wird von den Verwaltern eines sterbenden Systems gesagt, sie könne es sich nicht leisten, ihre Jugend zu versorgen, die Hungrigen zu ernähren oder eine Eisenbahnstrecke durch eine Wüste zu bauen. Es ist ein Versagen der Politik, kein Mangel an Fähigkeiten.

Helga Zepp-LaRouche benennt das größte Versagen direkt: die Weigerung, die Unteilbarkeit von Sicherheit und wirtschaftlicher Entwicklung aller Nationen anzuerkennen. Was der Iran für den relativ hilflosen Libanon und über den Libanon hinweg für den gesamten Globalen Süden fordert, ist das, was Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas für die gesamte Menschheit festhält: dass kein Volk in den Himmel steigen darf auf einem Turm, der dadurch errichtet wurde, dass man den Armen die Leiter weggetreten hat.

Der Papst betitelte diese Enzyklika mit „Die großartige Menschheit“. Der Neutrino-Detektor und der Gravitationswellenkatalog sind Beispiele dafür, was das bedeutet – Charakteristika desjenigen Geschöpfes, von dem gesagt wird, es sei, anders als jedes Tier, nach dem Ebenbild des Schöpfers geschaffen. Eine Zivilisation, die sich an dieser Wahrheit orientiert, würde die Entwicklung jeder Nation als natürliche Erweiterung derselben schöpferischen Kraft betrachten, die JUNO geschaffen hat. Eine Zivilisation, die diese Wahrheit über die menschliche Natur leugnet, führt Krieg gegen Stauseen und lässt Hunderte von Millionen Menschen hungern.

Welches dieser beiden Modelle wir vorantreiben werden, liegt an uns. Die Entscheidung fällt jetzt: in den Verhandlungsräumen in Luzern, während die 60-Tage-Frist bis zu einer endgültigen Einigung abläuft, bei der Mobilisierung der Internationalen Friedenskoalition an diesem Freitag und auf den Straßen der Nation, die bald ihren 250. Geburtstag feiert. Möge es ein Fest dessen sein, was einst die große antikoloniale Republik der Vereinigten Staaten war und wieder sein kann – ein Fest unter der Leitung der LaRouche-Präsidentschaftskandidatin Diane Sare, die am 5. Juli eine Veranstaltung in Philadelphia abhalten wird, zusammen mit dem unbezähmbaren Kongresskandidaten Jose Vega.

Das Universum offenbart seine tiefsten Prinzipien denen, die nach seinen Extremen streben.


Inhalt

STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR

  • USA und Iran schließen erste Runde in Luzern ab; Libanon ist der „wahre Test“
  • USA kündigen 60-tägige Ausnahmeregelung für Iran-Ölsanktionen an
  • Israel gelobt, im Südlibanon zu bleiben
  • Ukrainische Kampagne zum Abwürgen der Krim eskaliert und reicht tiefer in Russland hinein

ZUSAMMENBRUCH DES IMPERIALEN SYSTEMS

  • Merz beruft sich gegenüber China auf das „Plaza-Abkommen“ von 1985
  • China reagiert auf die „1260H“-Liste des Pentagons und nimmt 56 US-Firmen ins Visier

NEUES PARADIGMA

  • Russland und Weißrussland wollen bei der kommenden UN-Vollversammlung einen Aufruf zur Eurasischen Charta vorlegen

WISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE

  • Ein Jahrzehnt nach der ersten Beobachtung: 390 Raumzeit-Wellen katalogisiert
  • Chinas JUNO-Detektor vertieft das Wissen über Neutrinos

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