Geschichte wird nicht von den Barbaren geschrieben, sondern von den Dichtern
Die derzeitige Lage der Welt kann man nur als dramatisch bezeichnen – eine außergewöhnliche Verdichtung katastrophaler Gefahren und echter Chancen, insbesondere im Hinblick auf die Konflikte, die sich rund um den Iran und die Ukraine entfalten. In einer Rede vor der Internationalen Friedenskoalition am 12. Juni betonte Helga Zepp-LaRouche, dass „sich gleichzeitig äußerst positive und negative Entwicklungen vollziehen, und es in hohem Maße von unserem Handeln abhängt, welche dieser Tendenzen sich durchsetzen wird“.
Oberflächlich betrachtet ist die wichtigste Nachricht des Tages, dass Präsident Trump den Krieg mit dem Iran für beendet erklärt hat. „Ich habe als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die für heute Abend geplanten Luftangriffe und Bombardements gegen den Iran abgesagt“, verkündete Trump auf Truth Social und erklärte, der Iran habe zugestimmt, „niemals eine Atomwaffe zu besitzen“. Berichten zufolge soll für Vizepräsident Vance in den nächsten Tagen eine mögliche Unterzeichnungszeremonie in Europa vorbereitet werden. Der katarische Vermittler Ali Al-Thawadi soll die vorläufige Vereinbarung in nächtlichen Gesprächen mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi ausgehandelt haben, an denen auch Steve Witkoff und Jared Kushner telefonisch beteiligt waren. Während Details der Vereinbarung nach wie vor spärlich sind und die Skepsis groß ist, bestätigte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi am Freitag, dass eine Verständigung zwischen den USA und dem Iran tatsächlich fertiggestellt werde, und erklärte: „Das Islamabad-Memorandum war noch nie so nah.“
Ob dies einen tatsächlichen Frieden darstellt – oder lediglich eine Pause vor der nächsten Eskalation –, bleibt abzuwarten. Das Büro des israelischen Premierministers Netanjahu wurde von der Ankündigung angeblich völlig überrascht, und israelische Beamte stellten hinter vorgehaltener Hand in Frage, ob Trumps Darstellung überhaupt zutreffend sei. Aussagekräftiger war die Erklärung von Verteidigungsminister Israel Katz, der deutlich machte, dass Israel gegenüber dem Iran „die Fähigkeit behält, unabhängig zu handeln“, und beabsichtigt, Truppen in Gaza, im Westjordanland, im Libanon und in Syrien stationiert zu halten – eine Bedingung, die für den Iran völlig inakzeptabel ist. Tatsächlich sind Netanjahu und andere seiner radikalen Gesinnung der „Elefant im Raum“, die jede Vereinbarung zunichte machen können, wenn man sie unkontrolliert agieren lässt.
Unterdessen findet in Europa eine andere Art der Abrechnung statt. General Alexus Grynkewich, Oberbefehlshaber der NATO in Europa, erklärte bei einer Podiumsdiskussion auf der Berliner Luftfahrtmesse ILA, dass „Russland nicht auf einen Konflikt aus ist“ – eine bemerkenswerte öffentliche Äußerung des höchsten US-Vertreters in der NATO, die in direktem Widerspruch zu den lautstarken Forderungen europäischer Politiker steht, wonach Europa bis 2029 kriegsbereit sein müsse. Am selben Tag suchten die Botschafter Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens um ein Treffen mit dem stellvertretenden russischen Außenminister Galuzin nach – ein beispielloser Schritt. Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies die von den Botschaftern vorgebrachten Vorschläge zwar als eine Neuauflage von „Selenskijs Sackgassen-Formel“ zurück, doch der Besuch selbst ist ein Signal dafür, dass sich das politische Terrain in Europa verschiebt. Die italienische Ministerpräsidentin Meloni forderte in einer Rede vor dem Parlament direkt die Aufnahme eines Dialogs mit Putin und den Aufbau einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur – eine Formulierung, die die Abgeordnetenkammer anschließend in einem formellen Antrag billigte, wobei insbesondere jeglicher Verweis auf die „territoriale Integrität“ der Ukraine aus dem ursprünglichen Entwurf gestrichen wurde.
Angesichts dieser undurchsichtigen Lage – einem Krieg, der vielleicht endet oder auch nicht, und einer europäischen politischen Klasse, die schlafwandelnd auf den Krieg zusteuert – muss eine Entwicklung grundsätzlicher Art hervorgehoben werden. Helga Zepp-LaRouche hat letztlich mehrfach auf die jüngsten Äußerungen von Papst Leo XIV. hingewiesen, die sie als die derzeit wichtigsten strategischen Entwicklungen auf dem Planeten bezeichnet. In einer Welt, die zwischen Katastrophe und Möglichkeit hin- und herschwanke, seien es die moralischen und philosophischen Interventionen, nicht die militärischen, die letztlich den Lauf der Geschichte bestimmen. Ideen, so betonte sie, seien in diesem Moment „die wichtigste Währung“.
Sie nannte die neue Enzyklika von Papst Leo, Magnifica Humanitas, einen Frontalangriff auf die Hybris der heutigen Klasse von „Milliardären, die versuchen, Billionäre zu werden“. Leo selbst verurteilte dies als einen modernen „Turmbau zu Babel“ und argumentierte, dass in diesem Zusammenhang die Ideale von Wahrheit, Güte und Schönheit, die seit jeher das Kennzeichen echter Zivilisationen sind, verloren gingen. In ähnlicher Weise setzte er sich bei seinem Besuch in Spanien für die Würde von Migranten ein und betonte das „Recht, nicht auswandern zu müssen“, womit er implizit die tieferen wirtschaftlichen und politischen Probleme ansprach. Damit habe er auch auf das Prinzip der „harmonischen Entwicklung“ verwiesen, betonte Zepp-LaRouche.
Es könnte nicht deutlicher sein, dass der Epsteinsche Turmbau zu Babel zusammenbricht – unfähig, den Frieden zu wahren und der Welt eine echte Zukunft zu bieten. Legen wir also unsere ideologischen Brillen ab und denken wir wie wirkliche Dichter. Darum geht es in den kommenden Wochen. Der Weg nach vorn erfordert moralische Klarheit und ein historisches Gedächtnis.
Inhalt
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Oberster US-NATO-Kommandeur widerspricht europäischen Behauptungen über russische Aggression
- Trump „beendet“ den Krieg mit dem Iran
- Iran: Skepsis kurz vor der Zustimmung zu Trumps Friedensabkommen
- Netanjahu überrascht, stellt Bedingungen an Trump, bekräftigt Recht auf Angriff
EUROPA
- Italienische Regierung: Mit Russland sprechen
- Werden Frankreich und Deutschland Kallas fallen lassen?
- Treffen der Botschafter aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland im russischen Außenministerium
- Massenproteste in Albanien
USA
- Tulsi Gabbard verabschiedet sich mit einem Paukenschlag über US-finanzierte Biolabore in der Ukraine