EIR-Krisenforum am 31. Juli

Die Schatten des August

Die Schatten des August
Nach einem Atombombenanschlag in Hiroshima. Bildnachweis: Public Domain

Um 8:15 Uhr morgens am 6. August 1945 saß ein Mensch auf den Steinstufen einer Bank in Hiroshima und wartete darauf, dass diese öffnete. Dann kam der Blitz. Die Hitze davon – Tausende von Grad in einem Augenblick – bleichte den Stein weiß um die Stelle, an der er gesessen hatte, und ließ nur eine dunkle Silhouette zurück: einen Schatten ohne Körper, der in die Stufen eingebrannt wurde und den Besuchern des Hiroshima Peace Memorial Museums heute gegenübersteht. Eine aus den Trümmern geborgene Armbanduhr blieb für immer bei 8:15 Uhr stehen. Einundachtzig Jahre später wissen wir nicht, wie diese Person hieß. Wir wissen nur, dass sie einer von uns war, ein Mensch, der am Montagmorgen seinen Alltag erledigte, und dass sie im letzten Augenblick ihres Lebens eine Warnung für alle folgenden Generationen wurde.

Man sollte diese Warnung jetzt ernst nehmen, denn der August steht bevor – und die Verantwortlichen, die sie unbedingt vernehmen sollten, bringen uns laut dem ehemaligen Vorsitzenden des Militärausschusses der NATO, General a. D. Harald Kujat, „tagtäglich dem Punkt ohne Wiederkehr näher“, in „einer Situation, die mit August 1914 vergleichbar ist“. Kujat sagt offen, was jeder relevante Experte sagt: Es gibt keinen kleinen oder begrenzten Atomkrieg. Wie Annie Jacobsen diese Woche betonte, ist jedem im Pentagon, der das Szenario durchgespielt hat, klar, dass ein Atomkrieg, wie auch immer er beginnt, „nur auf eine Weise endet: mit totaler apokalyptischer Vernichtung“. Kujat zufolge würde ein nuklearer Winter etwa fünfzig Jahre andauern. Man muss sich das ausmalen: ein flächendeckendes Hiroshima überall, gefolgt von Kälte und Dunkelheit und Missernten, bis niemand mehr da ist, um vor dem Schatten auf den Stufen zu stehen.

Wir sind gefährlich nah an einem Ernstfall. Letzte Nacht flogen die USA ihren zwölften Nachteinsatz in Folge gegen den Iran. Präsident Trump, der über jene Nation von 90 Millionen Menschen sagt: „Wir sind noch lange nicht fertig“, hat öffentlich einen Berg zur Zerstörung bestimmt, den Experten zufolge keine konventionelle Waffe auf Erden vernichten kann. Dabei bleibt unausgesprochen, welche Waffe dazu fähig wäre. In Israel hat die Diskussion bereits begonnen: Ein Atomstratege mit jahrzehntelanger Erfahrung fordert öffentlich den Wechsel von strategischer Mehrdeutigkeit zu „selektiver nuklearer Offenlegung“, während ein pensionierter israelischer Admiral einen Regimewechsel in Teheran fordert. Der US-Kongress hatte seine erste Möglichkeit, den Krieg zu stoppen, seit Trump ankündigte, ihn wieder aufzunehmen. Doch stattdessen lieferte er ein Trauerspiel ab: Das Repräsentantenhaus verabschiedete eine nicht bindende Resolution und der Senat lehnte – mit einer Mehrheit von zwei Stimmen – die Resolution ab, die den Präsidenten gebunden hätte. Derselbe Kongress verabschiedete gerade mit 216 zu 212 Stimmen im Repräsentantenhaus die Fusion der US-amerikanischen und israelischen Kriegsmaschinen. Und die Rechnung für all das kommt: Öl über 100 Dollar pro Fass, Benzin in den USA über 4 Dollar pro Gallone, ein Zehntel der weltweiten Weizenexporte sind eingestellt, die Düngemittelmärkte sind bis 2028 lahmgelegt – eine Hungersnot, die stillere Version des nuklearen Winters, treibt bereits jene 250 Millionen Menschen in den Tod, die bereits vor dem Abschuss der ersten Rakete Hunger litten.

Doch nichts davon ist eine zwangsläufige Entwicklung. Als die Welt zuletzt in der Raketenkrise der frühen 1980er Jahre so nahe am Abgrund stand, füllten Hunderttausende gewöhnlicher Menschen die Straßen Europas und Amerikas. Und ihre Regierungen, die zunächst ebenfalls taub erschienen, brachten schließlich den INF-Vertrag hervor. Heute formieren sich die Stimmen erneut. Kujat und andere sprechen als Experten aus Militärinstitutionen. Die elf Nationen der ASEAN mit ihren 700 Millionen Einwohnern haben im Rahmen ihres Außenministertreffens auf den Philippinen gefordert, der Krieg müsse sofort enden. Papst Leo XIV. zählt in seinem neuen Buch „Disarmed and Disarming“ 103 Staaten, die sich im Krieg befinden. Er bezeichnet den Rückgriff auf Krieg nach Hiroshima und Nagasaki als „ein Abenteuer ohne Rückweg“ und warnt, dass eine Welt, in der Maschinen entscheiden, wehrlose Menschen zu bombardieren, „wirklich erschreckend wäre“. Selbst im angespannten Verhältnis zwischen den USA und Russland stimmten sowohl US-Außenminister Marco Rubio als auch sein russischer Amtskollege Sergei Lavrov diese Woche in Manila zu, dass die Zusammenarbeit im Weltraum und die Erneuerung kultureller Bindungen weitergehen müssen – zwei Türen, die keine der beiden Seiten zugeschlagen wird.

Die Voraussetzungen für eine Massenbewegung sind gegeben. Am Freitag, dem 31. Juli, laden EIR und die International Peace Coalition zum Krisenforum unter dem Motto „Die Einwanderungskrise durch Entwicklung lösen – Was Sie über die strategische Bedeutung der Enzyklika von Papst Leo wissen müssen“ ein. Dort werden die gemeinsamen Hauptursachen von Kriegsgefahr, Hungersnot und Flucht der Verzweifelten adressiert. Außerdem wird die Alternative – Entwicklung, das Recht jedes Menschen, in seiner Heimat zu bleiben und eine Zukunft aufzubauen – ins Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit gerückt. Nehmen Sie nicht nur selbst daran teil, sondern organisieren Sie auch ein Treffen Gleichgesinnter. Denn die Person auf den Stufen jener Bank in Hiroshima hatte seinerzeit keine Vorwarnung. Wir haben heute hingegen jegliche Warnung erhalten, die sowohl der Himmel als auch die menschliche Vernunft je hätten senden können – und diesmal müssen wir hören und handeln.


Inhalt

STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR

  • US-Iran-Krieg weitet sich aus und nukleare Option wird offen diskutiert
  • Als Folge des Kriegs bahnt sich ein globaler Hungerschock an
  • Israel bereitet sich auf einen möglichen Eintritt in den US-Krieg gegen den Iran vor
  • Rubio trifft sich mit Lawrow und erklärt, die Vorschläge von Anchorage seien „gescheitert“

NEUES PARADIGMA

  • Papst Leo XIV. drängt in einem neuen Buch auf Frieden und nukleare Abrüstung

WISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE

  • Chinas rekordverdächtiger Schwerionenbeschleuniger nimmt den Probebetrieb auf

USA UND KANADA

  • Repräsentantenhaus verabschiedet militärische Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel
  • Kongress uneinig über Kriegsbefugnisse und die Beendigung des Iran-Kriegs

ZUSAMMENBRUCH DES IMPERIALEN SYSTEMS

  • Das Pentagon bindet weiterhin private Spekulanten in den Verteidigungshaushalt ein
  • Trumps höchst merkwürdiges Vorgehen beim saudischen Atomabkommen

GESCHICHTE UND KULTUR

  • In „Mandelas Land“ bringt die Einwanderungskrise Afrikaner gegen Afrikaner auf

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