Die physische Ökonomie von Solon, nicht von Lykurg
Anlässlich des 81. Jahrestags des Abwurfs der Atombombe auf Nagasaki sagte gestern der Bürgermeister der Stadt, Shiro Suzuki: „Die Theorie der nuklearen Abschreckung ist extrem gefährlich und fragil. Atomwaffen sind kein ‚notwendiges Übel‘, sondern ein ‚absolutes Übel‘ und können niemals mit der Menschheit koexistieren … An alle Staatschefs der Atommächte und Nationen, die sich auf nukleare Abschreckung verlassen: Sie müssen sich der Realität stellen, dass Sie das Risiko eines Atomkriegs umso mehr erhöhen, je mehr Sie sich auf nukleare Abschreckung verlassen. “
Die Internationale Friedenskoalition diskutierte am vergangenen Freitag nicht nur darüber, wie hoch die realen menschlichen Kosten des Einsatzes von Atomwaffen bisher waren und bald sein könnten, sondern auch über das höhere Menschenbild, das die barbarische Weltsicht hinter der verrückten Vorstellung ablösen muss, dass man Atomwaffen für irgendeinen Zweck einsetzen könnte und sollte. Ein Höhepunkt der Debatte war dabei eine Erörterung der offiziellen Bewertung durch die amerikanische „Strategic Bombing Survey“ von 1946:
„Auf der Grundlage einer detaillierten Untersuchung aller Fakten und gestützt auf die Aussagen der beteiligten, noch lebenden japanischen Führung vertritt die Survey die Auffassung, dass Japan mit Sicherheit vor dem 31. Dezember 1945 und aller Wahrscheinlichkeit nach vor dem 1. November 1945 kapituliert hätte, selbst wenn die Atombomben nicht abgeworfen worden wären, selbst wenn Russland nicht in den Krieg eingetreten wäre und selbst wenn keine Invasion geplant oder in Betracht gezogen worden wäre.“
Die Sichtweise von Papst Leo XIV. zu Krieg und Atomwaffen, wie sie in seinen gestrigen Äußerungen und schon im vergangenen Jahr zum Ausdruck kam, ist eine willkommene Ausnahme von der moralischen Bankrotterklärung und kulturellen Verzweiflung derjenigen, die behaupten: „Krieg ist die einzige Antwort“ – was heute im Falle eines globalen Krieges einen thermonuklearen Krieg bedeutet, ob absichtlich oder durch Fehleinschätzung.
Wenn nicht bald diplomatische Lösungen gefunden werden, kann die schleichende Verschmelzung des NATO-Russland-Kriegs in der Ukraine und des „Kreuzzugs“ Israels und der USA gegen den Iran bis zu Atompilzen eskalieren. Neue strategische Bündnisse – wie das gerade angekündigte zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan – könnten dann Zwecken dienen, für die sie weder konzipiert noch vorgesehen waren.
Das überwältigende Risiko für die Menschheit durch thermonukleare Waffen muss uns zu einem Dialog der Nationen zwingen, um einen völlig anderen Weg einzuschlagen. Der Offene Brief von Veterans For Peace, Pax Christi, dem Schiller-Institut und vielen anderen Organisationen und Einzelpersonen, der weithin verbreitet wird, enthält einen Appell für eine höhere Diplomatie, wie der von Papst Johannes XXIII., Nikita Chruschtschow und John F. Kennedy 1962 angesichts der drohenden Auslöschung der Erde.
Die „neue Studie“ zur Bevölkerungsentwicklung, „Nachhaltigkeit erreichen durch Senkung der Bevölkerungszahl auf 4 Milliarden bis 2200“, die vor einer Woche plötzlich erschien, war die „weiche“ Variante eines Themas, das am 26. Mai auf den Seiten der New York Post und in anderen Medien brutal verkündet worden war: „Die Weltbevölkerung könnte in nur 40 Jahren zusammenbrechen und sich halbieren, wie eine erschreckende Weltuntergangs-Studie offenbart.“ Eine „Studie“ sei nach der Analyse von 12.000 Jahren Bevölkerungswachstum zu der düsteren Vorhersage gekommen, dass „das gesamte Bevölkerungswachstum der Menschheit der letzten 50 Jahre bis 2064 vollständig zunichte gemacht werden könnte“.
Derzeit wird für 2064 eine Weltbevölkerung von gut 10 Milliarden Menschen prognostiziert, die Zahl, um die die Bevölkerung reduziert würde, wäre also tatsächlich sechs Milliarden. Das „weiche“ Modell der nachhaltigen Entwicklung – „keine Zwangsmaßnahmen, nur ein Vorschlag, 4 Milliarden bis 2200“ – würde ebenfalls bedeuten, die Bevölkerung um etwa sechs Milliarden zu reduzieren. Wir fragen daher: Gilt ein „taktischer Atomkrieg“, wie Elbridge Colby ihn letzten Mittwoch beschrieb, als „glaubwürdige Option“ für einen asiatischen Kriegsschauplatz – nicht, weil China mit Krieg droht, sondern weil Asien derzeit das Zentrum der weltweiten „Überbevölkerung“ ist?
Das höhere Menschenbild in dieser Welt ist nicht das des Lykurgos von Sparta, sondern das des Dichters und Gesetzgebers Solon von Athen. Friedrich Schiller schreibt in seiner historischen Studie „Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon“:
„Damals war der Zustand des atheniensischen Volks äußerst zu beklagen. Eine Klasse des Volks besaß alles, die andre hingegen gar nichts; die Reichen unterdrückten und plünderten aufs unbarmherzigste die Armen… Für die Summen, die sie aufnahmen, mußten sie ungeheure Zinsen bezahlen und, wenn sie nicht Termin hielten, ihre Ländereien selbst an die Gläubiger abtreten. Nachdem sie nichts mehr zu geben hatten und doch leben mußten, waren sie dahin gebracht, ihre eignen Kinder als Sklaven zu verkaufen, und endlich, als auch diese Zuflucht erschöpft war, borgten sie auf ihren eignen Leib und mußten sich gefallen lassen, von ihren Creditoren als Sklaven verkauft zu werden… Das Erste, womit er [Solon] sein Werk eröffnete, war das berühmte Edikt, Seisachtheia oder Erledigung genannt, wodurch alle Schulden aufgehoben und zugleich verboten wurde, dass künftig keiner dem Andern auf seinen Leib etwas leihen durfte.“
Die Zehn Prinzipienfür eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur und LaRouches Oasenplan sind die Verwirklichung der Mission Solons in der Realwirtschaft durch Staatskunst. Anstatt Menschen mit Bomben zu verbrennen, liegt die wahre Bedeutung der Kernfusion in „Atomen für den Frieden“, wie es US-Präsident Eisenhower nannte. Wie Präsident John F. Kennedy sagte: „Zu viele von uns halten (den Frieden) für unmöglich. Zu viele halten ihn für unrealistisch. Doch das ist eine gefährliche, defätistische Überzeugung. Sie führt zu der Schlussfolgerung, dass Krieg unvermeidlich ist – dass die Menschheit dem Untergang geweiht ist – dass wir von Kräften beherrscht werden, die wir nicht kontrollieren können. Wir dürfen diese Sichtweise nicht akzeptieren… Kein Problem des menschlichen Schicksals ist für den Menschen unüberwindbar.“
Inhalt
NEUES PARADIGMA
- Papst Leo XIV.: „Raum für Diplomatie und Dialog schaffen“
- China nimmt wöchentliche Transporte durch die Nordostpassage auf
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Bürgermeister von Nagasaki: Atomwaffen sind „kein notwendiges Übel, sie sind ein absolutes Übel“
- Colby: USA sollten auf Rüstungskontrolle und gleichzeitig auf glaubwürdige Abschreckung setzen
- US-Beamter wiederholt Behauptungen über geheime chinesische Atomtests
- Aktuelles zur Straße von Hormus
ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEM
- Welle von Selbstmorden unter US-Cyberkriegern
USA UND KANADA
- Pentagon stößt auf die Realität: die Munitionsvorräte schwinden
- Boston kämpft für haitianische Flüchtlinge, die ihren Schutzstatus verloren haben