Die Bedeutung des moralischen Faktors
Die Vereinigten Staaten haben in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli zum achten Mal in Folge den Iran angegriffen, und CENTCOM gab an, die Ziele seien Küstenüberwachung, Luftabwehr-Anlagen, maritime Kapazitäten sowie Lager für Raketen und Drohnen gewesen. Die Realität sagt etwas anderes. Die iranische Atomenergieorganisation berichtete am 19. Juli, US-Geschosse hätten das im Bau befindliche Kernkraftwerk Darchovin getroffen – ein ziviles Kraftwerk, das laut der IAEO vor dem Krieg aktiv inspiziert wurde. Einen Tag zuvor hatten US-Angriffe eine Meerwasser-Entsalzungsanlage in Jask im Iran beschädigt und damit 10.000 Menschen von der Wasserversorgung abgeschnitten.
Wenige Tage davor hatte US-Präsident Donald Trump gegenüber Fox News erklärt: „Wir werden alle ihre Kraftwerke ausschalten. Wir werden alle ihre Brücken zerstören, es sei denn, sie setzen sich an den Verhandlungstisch.“ Sollte der Iran kein Abkommen schließen, warnte er: „Dann wird niemand mehr übrig sein.“ Eine solche Logik impliziert eine Eskalationsspirale, die, einmal in Gang gesetzt, nur schwer umkehrbar ist. Nach den zunehmenden Angriffen auf zivile Infrastruktur im Iran meldete Kuwait zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen Schäden an einer seiner Stromerzeugungs- und Entsalzungsanlagen – in einer Region, wo der Großteil der Süßwasserversorgung aus Meerwasserentsalzung stammt.
Auch für die Vereinigten Staaten kommt nichts Gutes heraus. CENTCOM bestätigte, dass auf dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien nicht identifizierte Leichenteile geborgen wurden; dort wurden zwei US-Soldaten durch einen iranischen Raketenangriff getötet, ein dritter wird vermisst. Ein vierter Soldat starb am 18. Juli im Nordirak, offiziell bei einer kontrollierten Sprengung von Sprengstoff aus einer abgeschossenen iranischen Drohne. Ein neuer Artikel im Wall Street Journal legt dar, dass die iranischen Raketen-Fähigkeiten weitaus fortgeschrittener sind als bisher angenommen.
Wohin führt das alles? Laut Trita Parsi vom Quincy Institute kommen Washington und Teheran unabhängig voneinander zu derselben Schlussfolgerung: dass die Diplomatie gescheitert ist und dass nur die militärische Zermürbung des Gegners etwas ändern kann. Er bezeichnet die Verhärtung der Fronten auf beiden Seiten als das, was sie ist: „keine Anpassung an die Realität“, sondern „ein tiefgreifendes Versagen von Vorstellungskraft und Staatskunst“.
Wenn auf dieses Versagen nicht reagiert wird, bleibt niemand von den Folgen verschont. Dies betonte Helga Zepp-LaRouche in einer Sendung am 19. Juli im pakistanischen Fernsehen. Sollten der Konflikt und die Sperrung der Straße von Hormus anhalten, könne dies „die Weltwirtschaft in eine Depression stürzen“, warnte sie – ganz zu schweigen vom Ausbruch eines Krieges zwischen Atommächten. So träfen die Auswirkungen dieser Krise alle Länder der Welt, was alle zur indirekten Partei in dem Konflikt macht, ob sie es wollen oder nicht. „Wir sitzen alle im selben Boot.“ Sie rief dazu auf, dass „die internationale Gemeinschaft ihre Stimme viel, viel lauter erhebt, weil sie de facto ein indirekter Beteiligter an dieser Situation ist“.
Und die Gefahr ist nicht auf die Golfregion beschränkt. Am 19. Juli griffen Drohnen zwei Öltanker am Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums bei Noworossijsk an. In der Nacht unternahm Russland einen Angriff auf Kiew und Odessa, der zu den größten des gesamten Krieges zählte. Zuvor wiederum hatte die Ukraine ein wichtiges russisches Einzelhandelslager angegriffen, wobei acht Menschen starben und über 60 verletzt wurden. Dieser Krieg könnte sich ebenfalls schnell ausweiten, auch auf die Unterstützer der Ukraine in Europa.
Vor diesem Hintergrund sollte man an Worte denken, die am 18. Juli im Innenhof des Apostolischen Palasts in Castel Gandolfo zu hören waren, wo Papst Leo XIV. mit einem Konzert mit Werken von Paganini und Bellini geehrt wurde. Die Welt sei voller Hässlichkeit, räumte der Papst ein – Kriege, Gewalt, Not. Doch das Schöne “erinnert uns daran, dass es mehr gibt als all das. Dass Männer und Frauen, wenn wir es wollen, gemeinsam eine Schönheit sichtbar machen können, die von Herz zu Herz spricht und uns hilft, den Blick zum Himmel zu erheben.“ Leo bekräftigte damit, dass die Menschheit besser ist, als die Kriegsplaner denken. Dies ist die einzige Grundlage dafür, um aus der Sackgasse, die Parsi beschreibt, herauszukommen.
Zepp-LaRouche drückte denselben Punkt in strategischen Begriffen aus. „Ich denke, wir sollten den moralischen Faktor in der aktuellen Situation nicht übersehen“, sagte sie. „Wir können Szenarien entwerfen und sagen, dies und das werde das Ergebnis sein. Ich sage etwas anderes: Durch diesen unprovozierten Angriffskrieg – zweimal von Israel und den Vereinigten Staaten gegen den Iran, der das durch nichts, was er getan hat, überhaupt provoziert hat – hat sich die Weltmeinung dramatisch verschoben, und ich würde das als Faktor nicht unterschätzen… Ich glaube, die Weltbevölkerung bewegt sich eindeutig in eine Richtung, die später Konsequenzen haben wird.“
Konkret bedeutet das, das gescheiterte neokoloniale Paradigma zu überwinden und eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur zu schaffen, die tatsächlich die Interessen aller berücksichtigt, zusammen mit Programmen wie LaRouches Oasenplan für die umfassende wirtschaftliche Entwicklung Südwestasiens. Diese Themen werden im Mittelpunkt eines EIR-Forums am 31. Juli stehen: „Die Migrationskrise durch Entwicklung lösen – was Sie über die strategische Bedeutung der Enzyklika von Papst Leo wissen müssen“.
Inhalt
NEUES PARADIGMA
- Papst Leo XIV.: „Schönheit hilft uns, den Blick zum Himmel zu erheben“
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Angriffe im Iran-Krieg treffen zunehmend zivile Infrastruktur
- Wahrscheinlich zwei weitere US-Soldaten gefallen
- Trita Parsi: Sowohl Washington als auch Teheran halten die Diplomatie für gescheitert
- Russland und Ukraine verschärfen gegenseitige Luftangriffe
- Drohnen treffen wichtiges Ölterminal am Schwarzen Meer
- Irans Raketen treffen mehr Ziele, als Washington zugibt
- Chamenei ruft zu „heiliger Einheit“ des Landes auf
- Wird Japan sein Atomwaffenverbot aufgeben?