EIR-Krisenforum am 31. Juli

Der Phasenwechsel

Der Phasenwechsel
Ukrains Selenskyj fordert 300 Patriot-Abfangjäger, die die USA nicht liefern können. Quelle: Präsident der Ukraine Offizielle Website

Wenn man Wasser erhitzt, passiert lange scheinbar nichts – bis es seinen Siedepunkt erreicht und sich völlig verändert. Das nennt man einen Phasenwechsel, und genau damit ist die Welt derzeit konfrontiert. Wie Helga Zepp-LaRouche sagte: „Ein Phasenwechsel muss auf die eine oder andere Weise stattfinden, denn der bisherige Kurs neigt sich dem Ende zu.“ Sowohl der Iran-Krieg als auch der Ukraine-Krieg haben einen Grenzzustand erreicht. Auch wenn der neue Zustand noch nicht feststeht, ist sicher, dass der gegenwärtige nicht fortbestehen kann.

Betrachten Sie die Belege im heutigen Briefing.

Haben die USA, was sie brauchen, um beide Kriege weiter zu führen? Die Abfangraketen gibt es nicht. Als Russland am 1. August Kiew angriff, konnte die ukrainische Luftabwehr nur eine von 27 ballistischen Raketen abfangen, und gegen Selenskys Forderung nach 300 Patriot-Abfangraketen steht die Tatsache, dass die USA in den letzten zehn Jahren durchschnittlich weniger als 270 pro Jahr beschafft haben. Die US-Armee selbst gibt einen vervierfachten Bedarf an – statt 3376 Raketen nun 13.773 –, ein Eingeständnis, dass die Luftabwehr der NATO für eine Welt ausgelegt war, die es nicht mehr gibt. Der US-Befehlshaber in Europa berichtet nun, er müsse sich zwischen der Verteidigung des amerikanischen Heimatlandes und der Verteidigung Israels entscheiden.

Lassen sich die Kriege eindämmen? Mehrere türkische Seeleute befinden sich in kritischem Zustand, nachdem Drohnen ihr Schiff vor der Küste von Noworossijsk angegriffen haben, und die Türkei – ein NATO-Mitglied – appelliert an Russland und an die Ukraine, die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten. Beide Seiten greifen jetzt die Schiffe an, die das Brot der Welt transportieren. Russlands Getreideexporteure warnen vor einem Defizit von 30-35 Millionen Tonnen und einer Hungersnot in den ärmsten Ländern, und ein aus Odessa zurückkehrter westlicher Journalist berichtet, dass sich auf dem Höhepunkt der Ernte kein Reeder in die Nähe der ukrainischen Häfen wagt. Lebensmittel und Düngemittel fehlen Menschen auf der ganzen Welt, die mit diesem Krieg nichts zu tun haben, aber trotzdem seine Opfer werden.

Unterdessen steht Europa kurz davor, dass die Lichter ausgehen. Ungarns Kernkraftwerk steht wegen Niedrigwasser still; Frankreich hat elf Reaktoren abgeschaltet oder gedrosselt; Deutschland hat sich anstelle eines zuverlässigen Energiesystems eine „Rube-Goldberg-Maschine“ zur Bewältigung schwankender Energieversorgung zusammengebastelt. In derselben Woche hat China neue Reaktoren ans Netz angeschlossen, Frankreich bei der installierten Kernkraftkapazität überholt und acht weitere Blöcke genehmigt.

In welche neue Phase wird die Welt eintreten?

Eine davon wäre Zusammenarbeit. Die Iswestija spekuliert über einen Dreiergipfel zwischen Putin, Xi und Trump beim APEC-Treffen in Shenzhen vom 18. bis 19. November. Russlands hochrangiger APEC-Vertreter bezeichnet dies als „durchaus machbar, da die drei Staatschefs der Großmächte voraussichtlich teilnehmen werden“ –, wobei strategische Stabilität ganz oben auf der Tagesordnung steht, da nun kein Vertrag mehr die beiden größten Atomwaffenarsenale der Welt einschränkt. Xi kommt im September nach Washington, und Trump hat Xi und Putin zum G20-Gipfel im Dezember eingeladen. Was für eine Wende wäre es für die Welt, wenn die USA mit Russland und China zusammenarbeiten?

Diese Aussicht versetzt das britische Empire in Schrecken. Die Antwort des Economist kam am 30. Juli in Form von Anweisungen an Amerikas asiatische Verbündete, Trumps Gipfeltreffen mit Xi zu vereiteln. Sie sollten „Selenskyjs Beispiel folgen“, um den Präsidenten umzustimmen, genau so, wie die von Großbritannien angeführte Koalition im vergangenen Jahr Trumps Vereinbarung von Alaska mit Putin zunichte machte. Die City steuert den Phasenwechsel hin zu einem umfassenden, qualitativ gefährlicheren Krieg, und sie hat ihren Leitfaden dazu veröffentlicht.

Zu welchen der beiden Zustände es kommt, wird allein dadurch entschieden, wie die Menschen handeln. Deshalb ist das EIR-Forum vom 31. Juli „Die Einwanderungskrise durch Entwicklung lösen“ kein Kommentar zur Krise, sondern eine Intervention in sie: das einzige Programm, das auf dem Tisch liegt, mit dem die westlichen Nationen und die BRICS gemeinsam Afrika, Südwestasien und Amerika – und damit auch die verarmten Teile Europas und der USA – entwickeln können. Darin liegt die weltweite Bedeutung von Diane Sares Präsidentschaftskampagne in den USA: In einer Welt, die Angst vor einem Amerika hat, das anscheinend völlig den Verstand verloren hat, ist eine amerikanische Stimme, die im Einklang mit den Interessen der Mehrheit der Menschheit spricht, eine mächtige Waffe.

Das Wasser steht kurz vor dem Kochen. Was daraus wird, liegt an uns.


Inhalt

STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR

  • Selenskyj will 300 Abfangraketen, aber gibt es die überhaupt?
  • London legt Strategie zur Untergrabung der Beziehungen zwischen Trump und Xi vor
  • Die Türkei fordert sichere Schifffahrt, nachdem Drohnen zwei ihrer Schiffe angegriffen haben

NEUES PARADIGMA

  • Russland bringt Dreiergipfel Putin-Xi-Trump beim APEC-Gipfel im November ins Gespräch

WISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE

  • China überholt Frankreich bei der Kernenergie

USA UND KANADA

  • New York Times analysiert die Wahleinmischungen von AIPAC

EUROPA

  • Ceuta gehörte nie zum Schengen-Raum: Europas Krisensitzung endet ergebnislos
  • Offener Brief von Juristen fordert Verbot der AfD
  • Das deutsche Energiesystem: Eine Rube-Goldberg-Maschine

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