Werden die Lichter ausgehen? Eine Zivilisation, die auf Reserve läuft, muss dringend auftanken

Werden die Lichter ausgehen? Eine Zivilisation, die auf Reserve läuft, muss dringend auftanken
Das iranische Zentrale Hedquarters in Khatam Al-Anbiya sagte, der US-Flugzeugträger Abraham Lincoln sei von den Drohnen des Landes getroffen worden. Quelle: CC/Tasnim Nachrichtenagentur

Lassen wir Revue passieren, was eine einzige Kriegswoche über die Fragilität des Systems offenbart, das die westliche Welt lange für unveränderlich hielt.

Iranische Drohnen greifen Amazon-Rechenzentren im Golf an und legen die Bankensysteme in der gesamten Region lahm. Katar stoppt die Ausfuhr von Flüssigerdgas, und die europäischen Gaspreise steigen innerhalb von 48 Stunden um 50 %. Experten warnen, selbst wenn die Kämpfe sofort eingestellt würden, kann die Wiederaufnahme der Lieferungen Wochen dauern. Die strategischen Erdölreserven der USA sind nach jahrelangen Entnahmen nur noch halb voll. Raketenabwehrsysteme für Hunderte Millionen Dollar werden schneller zerstört, als sie ersetzt werden können. Regierungen im gesamten Nahen Osten bitten Washington um Abfangraketen und Washington antwortet nur: „Wir gründen eine Task Force.“

Die Lehre daraus ist nicht nur militärischer Natur. Sie ist kultureller Natur.

Eine Zivilisation kann nicht von der Substanz leben. Kapital muss kontinuierlich neu geschaffen werden. Die Infrastruktur muss instand gehalten und ausgebaut werden. Die Institutionen, die komplexe Volkswirtschaften koordinieren, müssen ihre Kompetenz von Generation zu Generation erneuern. Wenn diese Prozesse sich verlangsamen oder zum Erliegen kommen, bricht das System nicht über Nacht zusammen, sondern verfällt.

Platon hat dieses Muster in seiner Politeia (insbesondere Buch VIII) beschrieben. Politische Ordnungen stürzen selten, weil ein Feind plötzlich stärker wird. Sie stürzen, weil die Herrscher kein Interesse an der Weisheit mehr haben und nur noch aus Gier, Eitelkeit und Dominanzstreben regieren. Institutionen verfallen. Die Infrastruktur verschlechtert sich. Die Führung verliert jede sinnvolle Vision für die Zukunft.

Das Ergebnis ist der seltsame Zustand, den wir heute in weiten Teilen der westlichen Welt beobachten: Enorme, aber anfällige technische Kapazitäten existieren neben einer wachsenden Unfähigkeit, die Grundlagen zu erhalten, die diese Kapazitäten erst möglich machen. Militärische Vorräte, die einmal als unerschöpflich galten, erweisen sich als alarmierend begrenzt.

Harley Schlanger berichtet, dass US-Soldaten sich beschweren, weil hochrangige Offiziere den Konflikt in apokalyptischen religiösen Begriffen darstellen – sie sagen den Truppen, der Krieg sei „Teil eines göttlichen Plans für die Endzeit“. Welches Menschenbild muss Menschen eingeimpft werden, damit sie sich nach der Apokalypse sehnen? Und was sagt es über eine Zivilisation aus, wenn solche Ideen in den Institutionen zirkulieren, die mit ihrem Überleben betraut sind?

Die Schwachstellen, die sich durch die aktuelle Krise zeigen, sind nicht auf bestimmte Länder beschränkt. Energiemärkte, Lebensmittel-Versorgungsketten, Düngemittelproduktion, Finanzsysteme und digitale Infrastruktur wurden alle unter der Annahme permanenter Stabilität aufgebaut. Doch schon wenige Tage des Konflikts haben gezeigt, wie schnell diese Stabilität zerbrechen kann.

Die Folgen sind global. Die am schnellsten wachsenden Regionen der Welt – Südasien und Subsahara-Afrika – sind nun mit Düngemittelknappheit, Ölpreisspitzen und Ausfall von Heimatüberweisungen konfrontiert, obwohl sie keine Schuld daran tragen. Gleichzeitig sind diese Regionen aber auch Schauplatz zukunftsweisender Entwicklungen in den Bereichen öffentliche Gesundheit, Energie und Infrastruktur. Nigeria bereitet die Einführung eines neuen Medikaments zur HIV-Prävention vor, das die öffentliche Gesundheit auf einem ganzen Kontinent verändern kann. Südafrika hat sich mehr als 30 Ländern angeschlossen, die eine globale Initiative zur Verdreifachung der Kernkraftkapazität bis 2050 unterstützen.

Das zeigt einen anderen Weg: einen Weg, der auf Produktion, wissenschaftlichem Fortschritt und langfristiger Entwicklung basiert, anstelle eines Niedergangs unter der Lenkung von Menschen, die nicht merken, dass der Kaiser keine Kleider hat. Mit Klarheit und Mut ist ein neues Paradigma möglich.

Diese Klarheit, und die Überzeugung, dass menschliche Kreativität statt Fatalismus die Zukunft bestimmen muss, zeigte sich in der Sitzung der Internationalen Friedenskoalition am 6. März. Helga Zepp-LaRouche warnte darin: „Das Weltbild zerfällt vor unseren Augen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit.“ In einer Krise dieser Größenordnung brauche man nicht Verzweiflung, sondern Verantwortung: den Aufbau einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, die auf Diplomatie, wirtschaftlichem Fortschritt und den gemeinsamen Interessen der Menschheit basiert.

Zepp-LaRouche schloss: „Wenn Regierungen so versagen, wie wir es derzeit erleben, dann ist es Aufgabe der Weltbürger, das zu erkennen und selbst Abhilfe zu schaffen.“


Inhalt

STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR

  • Trump fordert bedingungslose Kapitulation des Iran
  • Araghtschi: Iran kann eine US-Bodeninvasion abwehren
  • Iran greift Amazon-Rechenzentren an
  • Irankrieg gefährdet die weltweite Düngemittelversorgung
  • Selenskij droht mit Ermordung des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán

ZUSAMMENBRUCH DES IMPERIALEN SYSTEMS

  • Trumps Irankrieg führt zum finanziellen Armageddon
  • Katar stoppt Gaslieferungen, LNG-Preise steigen rasant
  • Stablecoins sind nur Banken ohne Regeln, warnt Finanzhistoriker
  • AfD-Stimmen in Baden-Württemberg werden sich verdoppeln

NEUES PARADIGMA

  • Ungarn will Frachttransit in die Ukraine blockieren

USA UND KANADA

  • US-Wirtschaft verliert im Februar 92.000 Arbeitsplätze

WISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE

  • Nigeria will halbjährliche HIV-Präventionsspritzen einführen

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