Wenn Scheitern die einzige Option ist, ist es Zeit für einen Kurswechsel
Wie sollen die heutigen transatlantischen Analysten ausgehend von ihren vorherrschenden geopolitischen Axiomen die tatsächliche strategische Bedeutung der verschiedenen Erklärungen und der daraus resultierenden Maßnahmen verstehen, die auf der gerade abgeschlossenen 26. Tagung des Rates der Staatschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) oder auf dem derzeit stattfindenden Östlichen Wirtschaftsforum vom 1. bis 4. September in Wladiwostok getroffen bzw. eingeleitet wurden? In diesem Moment der tiefsten strategischen Krise entscheiden präzise Einschätzungen kurzfristig über das Schicksal der Zivilisation: Wie gut oder schlecht erfüllen diese Analysten ihre Aufgabe gegenüber den Staats- und Regierungschefs, gegenüber jenen, die Staats- und Regierungschefs sein werden, oder gegenüber den Völkern unserer jeweiligen Nationen? Wenn die Welt überleben soll, müssen wir alle offenbar einen höheren Maßstab an Intelligenz und Überlegung an den Tag legen.
In Wladiwostok auf dem Östlichen Wirtschaftsforum erklärte der indonesische Präsident Prabowo Subianto: „Die Gebiete des russischen Fernen Ostens und Indonesiens sind riesig… Es dauert viele Stunden, um von einem Ende unserer Territorien zum anderen zu fliegen. Wir wissen, dass man die Hauptstadt manchmal sehr weit von den Grenzgebieten entfernt empfinden kann. Aber auch Wladiwostok fühlt sich meiner Heimat ziemlich nahe an. Derselbe große Ozean, der Pazifische Ozean, berührt die Küsten Russlands und Indonesiens. Der Pazifische Ozean trennt uns nicht. Er verbindet uns. Er ist keine Mauer zwischen uns. Er muss eine Autobahn für unsere beiden Volkswirtschaften sein.“
„Keine Mauer, sondern eine Autobahn“: Narren mögen dies lediglich als eine rhetorische Aussage lesen. Sie werden sie nicht als Idee bewerten, als Ausdruck einer sich herausbildenden, vielleicht monumentalen strategischen Veränderung oder als Prinzip von potentiell weltverändernder Bedeutung. Prinzipien – moralische oder andere – existieren für die meisten Verfechter der Geopolitik nicht. Und schließlich gilt für Länder wie Indonesien nach den Worten eines Idols solcher Kreise, nämlich Henry Kissinger, „Geschichte wird nicht im Süden gemacht“. Das ist es, was die Kissinger-Jünger, die Anhänger des „Mr. Realpolitik“ und Maskottchens des britischen Chatham House, lieber glauben – zumindest bis jetzt.
Klar ist: Intelligentere Köpfe und Herzen müssen die Oberhand gewinnen.
Heute wird die Nachrichtenagentur Executive Intelligence Review (EIR) ihr Krisenforum „Eine Alternative zu Krieg und Plünderung in den Amerikas“ veranstalten. Vertreter aus Brasilien, China, Spanien, Deutschland, Peru, Guyana, den Vereinigten Staaten und anderen Nationen werden einen erkennbaren Weg aus der strategischen Katastrophe darlegen und darüber beraten – einen Weg, der vor uns liegt und sofort umgesetzt werden kann, wenn der Mut und der politische Wille aufgebracht werden, ihn zu beschreiten.
In der Einladung heißt es: „Die USA sollten bei Großprojekten in Iberoamerika (wie auch weltweit) mit China zusammenarbeiten und ein einheitliches Bündnis souveräner Staaten mit politisch unterschiedlichen Regierungen anstreben, so wie es John Quincy Adams und Franklin Delano Roosevelt taten – letzterer in enger Allianz mit Getúlio Vargas aus Brasilien und Lázaro Cárdenas aus Mexiko. Als Modellprojekt für diese iberoamerikanische Integration schlug LaRouche den Bau eines bi-ozeanischen Eisenbahnkorridors vor, der vom peruanischen Hafen Chancay am Pazifik zum brasilianischen Hafen Ilhéus am Atlantik führen könnte, ein Projekt, das derzeit von den Regierungen Brasiliens, Perus und Chinas aktiv geprüft wird.“
Was die Entwicklungen dieser Woche auf der Tagung der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) und beim nun laufenden Gipfel in Wladiwostok betrifft, so sollte die übliche geopolitische Kommentierung mit der tatsächlich realistischen Analyse von EIR verglichen werden. In diesen Vergleich sollte auch das im Jahr 1983 erschienene Dokument des Ökonomen und Staatsmannes Lyndon LaRouche mit dem Titel „Eine 50-Jahres-Entwicklungspolitik für das Becken des Indischen und Pazifischen Ozeans“ einbezogen werden. Dieses Dokument, das den Zeitraum von 1983 bis 2033 umfasst, wurde vor über vier Jahrzehnten veröffentlicht und ist nur noch sieben Jahre von dem angestrebten Zieljahr entfernt. Es geht von einer völlig entgegengesetzten Prämisse von der Henry Kissingers aus.
China, Indonesien, Japan, Vietnam, die Republik Korea, Indien und Myanmar entsandten in diesem Jahr die „größten Delegationen aller Zeiten“ zum Östlichen Wirtschaftsforum (EEF) in Wladiwostok. Außerdem waren zahlreiche weitere Nationen vertreten. Vor den mehr als 7.000 Teilnehmern hielt der russische Präsident Wladimir Putin eine ausführliche Grundsatzrede. Putin kündigte unter anderem an: „Wir führen ein in seinem Umfang und seiner Reichweite beispielloses System zur Unterstützung von Unternehmen ein. Ab dem 1. Januar 2027 werden der gesamte Ferne Osten und die Arktis ein einheitliches Präferenzregime sein. Dabei werden die Unterstützungsinstrumente nicht an eine bestimmte Region oder Sonderwirtschaftszone gebunden, sondern speziell auf unterschiedliche Arten von Aktivitäten in der gesamten Region des Fernen Ostens zugeschnitten sein.“
Zweifellos hätte das Treffen in Wladiwostok mit dem russischen Präsidenten einige Vertreter des transatlantischen Sektors, vorzugsweise aus den Vereinigten Staaten begrüßt, die diese Botschaft aufgreifen und verstärken. Doch derzeit existiert eine solche Vision in keiner Regierung und in keiner bedeutenden Regierungsfraktion der zum Untergang verurteilten, selbstzerstörerischen „NATO-Nationen“ in der anglophonen Welt – zumindest nicht sichtbar. Es braucht eine neue unabhängige Stimme, wie sie mit den Kandidaten Diane Sare und Jose Vega zum Ausdruck kommt – nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in vielen anderen transatlantischen Nationen –, die sich klar und unüberhörbar gegen den Wahnsinn der anglophonen Welt ausspricht.
Der Kolonialismus ist vorbei. Die „Diplomatie der Vorherrschaft“ – militärisch, finanziell, manchmal auch ethnisch bzw. „rassisch“ – ist am Ende. Niemand hört mehr darauf. Vor zwei Jahren sagte Präsident Putin in Valdai übrigens: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das einzig mögliche neue internationale System eines ist, das Polyphonie umfasst, in der viele Stimmen und viele musikalische Themen gemeinsam erklingen und eine Harmonie bilden. Wenn Sie so wollen, bewegen wir uns auf ein Weltsystem zu, das eher polyphon als polyzentrisch sein wird – ein System, in dem alle Stimmen gehört werden, und, was noch wichtiger ist, unbedingt gehört werden müssen.“ Vor 250 Jahren war dies noch ein amerikanisches Ideal. Machen wir es nun zum politischen Leitbild in Südamerika, Nordamerika, Europa und weltweit! Die kranke, sterbende koloniale Mentalität und die daraus resultierenden politischen Maßnahmen müssen hinter den Bedürfnissen der gesamten Menschheit zurücktreten.
Inhalt
NEUES PARADIGMA
- Putin: Die SCO braucht eine Entwicklungsbank, um Katastrophen vorzubeugen
- Putin kündigt beim EEF die Modernisierung des gesamten Fernen Ostens an
- Indonesischer Präsident Subianto würdigt die Zusammenarbeit mit Russland
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Zwei russische Militärkommandeure für Nuklearsysteme ins Visier genommen
- Der Iran weist die Behauptung der USA zurück, keine Zivilisten zu bombardieren
- Norwegen beschlagnahmt russisches Forschungsschiff auf Spitzbergen
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
- Kernenergie aus Russland zentrales Thema beim Östlichen Wirtschaftsforum