Wenn der Staat zur Sekte wird: Wer zahlt den Preis, wenn religiöser Glaube rationale Strategie ersetzt?

Wenn der Staat zur Sekte wird: Wer zahlt den Preis, wenn religiöser Glaube rationale Strategie ersetzt?
Ein Öltanker wurde am Samstagmorgen von einer Selbstmorddrohne in der Straße von Hormus getroffen, nachdem er Warnungen der Marine des Korps der Islamischen Revolutionsgarden ignoriert hatte. Quelle: CC/Tasnim Nachrichtenagentur

Die Herrscher der Golfstaaten gingen bislang davon aus, dass die amerikanischen Militärstützpunkte auf ihrem Territorium eine Art Versicherungspolice seien. Diese Woche mussten sie jedoch feststellen, dass sie sich möglicherweise das Gegenteil eingehandelt haben. Der Iran hat erklärt, dass er seine Nachbarländer nicht angreifen werde, es sei denn, diese dienen als Startrampe für Angriffe gegen den Iran. Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht. Weil jedoch die Stützpunkte auf ihrem Territorium liegen, fliegen die Raketen weiter, obwohl Trump erklärt hat, der Iran habe bereits kapituliert. Der amerikanische „Sicherheitsschirm“ ist somit zu einem Blitzableiter geworden. Da ihre Vorräte an Abfangraketen zur Neige gehen – jede einzelne kostet weit mehr als die iranischen Drohnen, die sie abschießen –, müssen sie sich fragen, ob die amerikanische Militärpräsenz im Persischen Golf für sie ein strategischer Vorteil oder eine strategische Belastung ist.

Wenn man diese Frage jedoch rein strategisch stellt, übersieht man, was tatsächlich hinter den Ereignissen steht. Der Krieg gegen den Iran kann nicht nur als strategisches Projekt verstanden werden. Er hat auch eine starke religiöse Triebkraft.

Das Programm, das derzeit umgesetzt wird – die versuchte Zerstückelung des Iran, die Errichtung eines Großisraels, das sich vom Nil bis zum Euphrat erstreckt, die Zerstörung des Felsendoms und die Errichtung eines Dritten Tempels an seiner Stelle – basiert nicht auf einer rationalen Berechnung nationaler Interessen, sondern auf der Heiligen Schrift. Und diese Sichtweise wird derzeit vom mächtigsten Militärapparat der Menschheitsgeschichte vorangetrieben, dessen Feldkommandeure in den ersten 48 Stunden des Krieges über 110 Beschwerden eingereicht haben, in denen sie berichten, ihre Vorgesetzten hätten ihnen gesagt, Trump sei „von Jesus gesalbt worden, um im Iran das Signalfeuer zu entzünden, das Armageddon auslöst“. Und der US-Verteidigungsminister hat ohne erkennbare Verlegenheit das Wort „Kreuzzug“ verwendet. Dies sind keine bloßen rhetorischen Floskeln. Sie beschreiben die Theologie der Befehlskette.

Säkulare Gesellschaften sind sehr schlecht darin, religiöse Motive zu hinterfragen. Wir sind immer nur darauf aus, die „wirklichen“ Interessen hinter theologischen Ausdrucksweisen zu suchen: das Öl, die Geopolitik, die Wahltermine. Diese sind real. Aber sie reichen nicht aus, um die Situation vollständig zu erklären.

Lyndon LaRouche hat in einem Artikel aus dem Jahr 2003 über die synarchistische Tradition, die sich durch den europäischen Faschismus und seine amerikanischen Ableger zog, diesen blinden Fleck als strategische Schwachstelle an sich identifiziert. Die Trennung von Kirche und Staat, so argumentierte er, sei „die wirksamste Verteidigung gegen die Unterwanderung des neuzeitlichen Nationalstaats durch terroristische Sekten“. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Staat zum Werkzeug einer religiösen Institution wird – oder umgekehrt. Wenn eines von beiden geschieht, hört der Nationalstaat als Vehikel zur Förderung des Gemeinwohls, das auf der informierten Zustimmung der Regierten basiert, auf zu existieren.

Genau diese Transformation findet derzeit statt. Die entsprechenden Geheimdienstinformationen waren klar, bevor die erste Bombe fiel: Ein geheimer Bericht des National Intelligence Council der USA, der eine Woche vor dem 28. Februar fertiggestellt wurde, kam zu dem Schluss, dass selbst ein groß angelegter militärischer Angriff nicht zu einem Regimewechsel im Iran führen würde. Das klerikale und militärische Establishment des Iran hätte sich mit seinen Nachfolgeregelungen genau auf ein solches Szenario vorbereitet, und eine Machtübernahme durch die Opposition wäre „unwahrscheinlich“. Der Angriff fand trotzdem statt, weil dieser Krieg nicht auf der Grundlage von Geheimdienstinformationen begonnen wurde. Er basierte auf einer Prophezeiung.

Die Folgen zeigen sich unabhängig von jeder Theologie. Durch die Straße von Hormus wird ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert. Der Energieminister von Katar warnte diese Woche, dass die Sperrung dieser Meerenge „die Weltwirtschaft zum Erliegen bringen könnte“. Die US-Wirtschaft verlor im Februar bereits 92.000 Arbeitsplätze, und das noch bevor die Verbraucherpreise durch den Ölschock zu explodieren begannen.

BlackRock hat bereits einen großen privaten Kreditfonds geschlossen – das erste Anzeichen für eine Erschütterung des 1,8 Billiarden Dollar schweren Schattenbankensektors, den der italienische Ökonom Michele Geraci als das eigentliche Problem bezeichnet: Nicht BlackRock selbst ist das Problem, sondern der systemische Vertrauensverlust in die Finanzarchitektur, die auf der Deregulierung nach 2008 basiert. Raketenabwehrsysteme werden schneller erschöpft, als sie ersetzt werden können. Und im gesamten globalen Süden – von Indonesien, das sich aus Trumps „Friedensrat“ zurückzieht, bis zur Afrikanischen Union, die die steigenden Düngemittelpreise fürchtet – wird dieselbe Frage gestellt: Wo wird das enden?

Der Westen steuert auf kein bestimmtes Ziel zu. Er beschleunigt die Krise nur immer weiter, als wäre die Bewegung selbst der Sinn. Es scheint erschreckender sein, anzuhalten und einmal darüber nachzudenken, welche Art von Welt wir tatsächlich aufbauen wollen, als mit der bereits begonnenen Zerstörung fortzufahren.

Nicht alle haben die Orientierung verloren. Der ehemalige US-Kongressabgeordnete Dennis Kucinich warnt davor, der Iran könnte zum „Friedhof des amerikanischen Imperiums“ werden und Washington habe durch sein katastrophales Unverständnis der persischen Kultur und Geschichte einen „Dschihad“ ausgelöst. Oberst Richard Black, ein ehemaliger US-Marineoffizier, der die Strafrechtsabteilung im Pentagon leitete, erinnert die Kommandeure des „Großen Erwachens“ daran, Jesus habe gesagt: „Selig sind die Friedfertigen.“ Der EU-Parlamentarier und ehemalige stellvertretende UN-Generalsekretär Michael von der Schulenburg warnt aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung vor Ort im Iran, Irak und Afghanistan, dass dieser Krieg „die Pforten der Hölle öffnet“. Mit vernichtender Logik weist der russische Außenminister Sergej Lawrow darauf hin, dass, wenn die Nichtverbreitung das erklärte Ziel war, dieser Krieg Atomwaffen für jede Regierung, die beobachtet hat, was mit Gaddafi nach seiner Entwaffnung geschehen ist, zur einzigen rationalen Versicherungspolice gemacht hat.

In Europa, in den Hallen des US-Kongresses und in Trumps eigener Wählerschaft, die sich gegen neue Kriege ausgesprochen hatte, beginnt sich etwas zu bewegen.

LaRouche benannte in demselben Dokument aus dem Jahr 2003 sehr genau sowohl den Feind als auch die Risiken. Um die Gruppierungen zu verstehen, die die modernen terroristischen Kulte fördern, schreibt er: „Die Martinisten und ihr synarchistischer Auswuchs sind seit dem Unabhängigkeitskrieg der Hauptfeind der USA von innen und außen. Sie stehen für das Römische Reich… für den Feind der souveränen nationalstaatlichen Republik“. Er wies ebenso darauf hin, was möglich sein könnte, wenn diese korrumpierende Kraft beseitigt wird: „In diesem Augenblick unserer Geschichte haben die Vereinigten Staaten die schicksalhafte Möglichkeit, eine der beabsichtigten Folgen unserer Schöpfung zu verwirklichen: die Gründung einer Gemeinschaft auf Grundlage naturrechtlicher Prinzipien unter völlig souveränen Nationalstaaten auf der ganzen Erde. Dieses Werk muß im wesentlichen dadurch zustande kommen, dass wir das Edelste unserer Geschichte wiederentdecken und heraufbeschwören – mit unserem Beispiel, unserem guten Willen und durch unseren Einfluß, mit dem wir die Errungenschaften anderer Republiken ermutigen sollten.“

Am Montagabend, dem 9. März, diskutieren die LaRouche-Kandidaten Diane Sare und Jose Vega mit ihren Gästen Scott Ritter und Garland Nixon darüber, was erforderlich ist, um diese Vision in politische Realität umzusetzen.


Inhalt

STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR

  • Abstieg in die Barbarei
  • Iran: Angriff der USA auf eine Entsalzungsanlage könnte einen Präzedenzfall schaffen
  • Peseschkian entschuldigt sich, Trump erklärt Kapitulation, die nicht stattgefunden hat
  • Kurdische Oppositionsgruppe will sich nicht als Spielball in Trumps Krieg gegen den Iran missbrauchen lassen
  • Vorkriegs-Einschätzung des US-Geheimdienstes: Bombardierungen werden keinen Regimewechsel im Iran bewirken
  • Brüssel und Fico verurteilen Selenskijs Drohung gegen Orbán, während sich der Konflikt um EU-Kredite verschärft
  • Michael von der Schulenburg: Der Westen hat im Iran die Pforten der Hölle geöffnet
  • Russischer Analyst: Moskau ist nicht der Gewinner des Iran-Kriegs
  • EIR-Interview mit Gilbert Doctorow jetzt online

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