Was nicht vergehen wird
In einer Rede aus dem Jahr 1859 erinnerte US-Präsident Abraham Lincoln an die Geschichte eines östlichen Monarchen, der seinen Weisen den Auftrag erteilt hatte, einen Satz zu finden, der zu allen Zeiten und in allen Situationen wahr und angemessen sei. Sie kehrten mit den Worten zurück: „Und auch dies wird vergehen“. Lincoln erkannte die Kraft dieses Satzes an – seine züchtigende Wirkung in Zeiten des Stolzes und seinen Trost in Zeiten der Not –, vertrat jedoch eine andere Sichtweise. Er sagte: „Hoffen wir vielmehr, dass wir durch die bestmögliche Pflege der physischen Welt unter uns und um uns herum sowie der geistigen und moralischen Welt in uns einen individuellen, sozialen und politischen Wohlstand und Glück sichern, dessen Verlauf vorwärts und aufwärts gehen wird und der, solange die Erde besteht, nicht vergehen wird.“
Lincolns Antwort war nicht bloß Hoffnung, sie drückte die aktive, bewusste menschliche Arbeit sowohl an der physischen als auch an der moralischen Welt aus.
Am Freitag, dem 10. April, zeigte sich ein solcher Impuls auch in Peking. Die Vorsitzende der taiwanesischen KMT, Cheng Li-wun, und der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Xi Jinping, trafen sich zum ersten hochrangigen Treffen zwischen den beiden Parteien seit einem Jahrzehnt. Sie sprachen über Frieden, über einen institutionalisierten Dialog, über eine Taiwanstraße, die zu einer „Meerenge werden könnte, die Verwandtschaft, Zivilisation und Hoffnung verbindet“, sowie über die Wertschätzung der Entwicklung der jeweils anderen Seite. Cheng lud Xi sogar nach Taiwan ein – eine Einladung, die noch kein KMT-Vorsitzender zuvor ausgesprochen hatte. Diese bewusste politische Annäherung entspringt demselben Impuls, der die „Belt and Road Initiative“ hervorgebracht hat, demselben Impuls, der der von der LaRouche-Bewegung entworfenen „Weltlandbrücke“ zugrunde liegt: dem vernetzten System von Entwicklungskorridoren, das die Kontinente durch gemeinsame Infrastruktur und gemeinsamen Wohlstand verbindet. Wenn Nationen gemeinsam bauen, verliert die Logik des permanenten Konflikts ihre Kraft. Das ist die Architektur dessen, was nicht vergehen wird.
Dem gegenüber steht die Architektur dessen, was unweigerlich vergehen muss, das aber auf seinem Weg dorthin enormen Schaden anrichtet. Eine Frage drängt sich auf: Wer wird Benjamin Netanjahu in die Schranken weisen? Pakistan vermittelte einen Waffenstillstand. Der Iran akzeptierte ihn. Das Weiße Haus bestätigte dessen Bedingungen, einschließlich des Libanon. Dann rief Netanjahu Trump an, und die Bedingungen änderten sich. Am ersten Tag des Waffenstillstands griff Israel innerhalb von 10 Minuten 100 Ziele im Libanon an und tötete mehr als 300 Menschen. Die US-Delegation flog nach Islamabad zu Verhandlungen, die laut Teheran nicht beginnen können, solange der Libanon nicht einbezogen ist. Und so bleibt der sprudelnde Hahn amerikanischer Unterstützung für Israel offen und jeder Friedensversuch droht am Veto eines Mannes zu scheitern, der 2001, ohne zu wissen, dass er abgehört wurde, sagte: „Amerika kann man sehr leicht in die richtige Richtung bewegen. Sie werden sich nicht in den Weg stellen.“ Laut der New York Times bezeichnete der CIA-Direktor Netanjahus Kriegsplan gegen den Iran als „lächerlich“, der Außenminister nannte ihn „Bullshit“, und der Vizepräsident warnte, er würde eine strategische Katastrophe bedeuten. Der Papst verurteilte das Töten. Die Frage, wer den Hahn zudreht, ist die Frage, an der sich die nächste Phase der Geschichte entscheidet. Permanente Spannung ist eine Politik, und sie dient bestimmten Interessen. Die Weltlandbrücke überwindet diese Interessen, indem sie Zusammenarbeit wertvoller macht als Konflikt. Genau deshalb wird sie bekämpft.
Die Freiheit, die den Menschen auszeichnet, ist die Freiheit, besser zu sein als unsere Triebe, die Freiheit, Gutes zu tun. Cheng Li-wun hat diese Freiheit diese Woche ausgeübt. Sie überquerte die Taiwanstraße, stieg die 392 Stufen des Sun-Yat-sen-Mausoleums hinauf, sprach auf dem Festland von der „Republik China“, bewegte sich in Richtung eines praktischen Engagements zum gemeinsamen Nutzen und lud ihren Gastgeber nach Taiwan ein. Es sind solche Handlungen, die in ihrer Häufung den Lauf der Geschichte verändern. Der Krieg und diejenigen, die ihn führen, werden vergehen. Die Frage ist, ob er die Zivilisation nicht zuvor mit sich reißt.
Wenn wir Lincolns Aufruf folgen und uns „durch die bestmögliche Pflege der physischen Welt unter uns und um uns herum sowie der geistigen und moralischen Welt in uns“ einen Weg nach vorn sichern, wird dieser nicht vergehen.
Wir rufen alle Leser dazu auf, ihr Engagement für den Frieden zu verstärken. Machen Sie sich Zepp-LaRouches offenen Brief an Papst Leo XIV. zu eigen. Verbreiten Sie den Link über die EIR-Dringlichkeitskonferenz vom 6. April und den Aufruf des Schiller-Instituts „Call for Immediate Action To Stop the Madness!“ – der alle dazu auffordert, maximalen Druck auf den US-Kongress, den Präsidenten und die Zivilgesellschaft auszuüben.
Inhalt
NEUES PARADIGMA
- Gipfeltreffen zwischen Cheng und Xi: Ein Händedruck über die Taiwanstraße hinweg
- Das Grab von Sun Yat-sen und die Republik China
- Budapester Journalist Mainka: Hören Sie nicht auf die westliche Propaganda über Ungarn
- Die „Bagamoyo Maritime City“ in Tansania erhält chinesische Investition in Höhe von 3 Milliarden Dollar
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Trump änderte die Waffenstillstandsbedingungen für Libanon nach Netanjahu-Anruf
- New York Times: Im Lagezentrum überzeugte Netanjahu Trump vom Krieg gegen den Iran; CIA bezeichnete Regimewechsel als „Farce“
ZUSAMMENBRUCH DES IMPERIALEN SYSTEMS
- Firmeninsolvenzen in Deutschland auf 20-Jahres-Hoch