Vor unseren Augen wird Geschichte geschrieben – für alle, die es sehen wollen
Der chinesische Präsident Xi Jinping beschrieb den Teilnehmern des Gipfeltreffens der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) am 1. September im kirgisischen Bischkek den Rahmen der neuen Welt, die derzeit Gestalt annimmt. Die „größte Errungenschaft“ der SCO bestehe darin, „dass sie sich stetig zu einer neuen Art regionaler Kooperationsorganisation entwickelt hat … Ihr wertvollstes geistiges Gut ist, dass sie den ‚Shanghai-Geist‘ – geprägt von gegenseitigem Vertrauen, gegenseitigem Nutzen, Gleichberechtigung, Konsultation, Respekt vor der Vielfalt der Zivilisationen und dem Streben nach gemeinsamer Entwicklung – als Erste eingeführt und seitdem konsequent verfolgt hat. Ihre wichtigste Erfahrung in Sachen Zusammenarbeit besteht darin, dass sie den richtigen Weg des Zusammenlebens gefunden hat, der durch Bündnisfreiheit, Konfrontationsvermeidung und die Nicht-Ausrichtung auf Dritte gekennzeichnet ist und es den Ländern der Region ermöglicht, gemeinsam ein gemeinsames Zuhause aufzubauen.“
Der russische Präsident Wladimir Putin äußerte sich am 1. September gegenüber Journalisten in Bischkek ähnlich. Die SCO sei „eine Plattform für die Entwicklung gemeinsamer Beschlüsse, die allen teilnehmenden Ländern zugutekommen sollten. Und in diesem Sinne scheint sie mir gute Aussichten zu haben“, sagte er.
Westliche Medien und Experten haben sich weitgehend bemüht, das Ereignis herunterzuspielen – als reines Gesprächsforum, als Gipfel mit vielen Dokumenten und wenigen Taten, als Treffen von Autokraten ohne verbindliche Ergebnisse. Der wahre Grund dieser Anfeindungen ist, dass solche Experten, ob sie es wissen oder nicht, immer noch von Henry Kissingers berüchtigter Maxime geleitet werden: Geschichte wird nicht im Süden geschrieben.
Das ist offensichtlich eine absurde Vorstellung, vor allem, wenn man den Wahnsinn betrachtet, von dem die Länder erfasst sind, in denen angeblich Geschichte geschrieben wird.
Die USA haben ihre Angriffe auf den Iran wieder aufgenommen und führen damit einen Krieg weiter, der den globalen Energie- und Exportmärkten bereits den größten Schock seit Jahrzehnten versetzt hat. Bei Angriffen am 1. September wurde eine Hochzeitsfeier im Süden des Irans getroffen, wobei mindestens vier Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden. Trotz sechsmonatiger Bombardements sind die USA keinem ihrer erklärten Ziele näher gekommen und haben es nicht geschafft, selbst ihre engsten Verbündeten zur Unterstützung zu gewinnen.
US-Präsident Donald Trump verzichtet nun ganz auf den Anschein von Diplomatie. Am 2. September postete er auf Truth Social: „Ich versuche nicht, den Iran an den Verhandlungstisch zu zwingen … Es ist mir völlig egal, ob sie ein für sie wertloses Abkommen unterzeichnen. Mir gefällt unsere derzeitige Position viel besser: Wir haben fast die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus und ihre Wirtschaft bricht völlig zusammen.“ Ein US-Beamter erklärte gegenüber Axios, die Regierung plane, im Iran regelmäßig „den Rasen zu mähen“. Die jüngsten Angriffe hätten einen Monat lang eine geringere Bedrohung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus gebracht.
Europa ist von demselben Wahnsinn erfasst. Am 1. September machte die deutsche Regierung Russland offiziell für den angeblichen Drohnenangriffsversuch am Flughafen Leipzig/Halle im vergangenen Monat verantwortlich, bei dem eine mit Sprengstoff beladene Drohne neben einem ukrainischen Frachtflugzeug gefunden wurde. Innenminister Alexander Dobrindt sagte, die Ermittlungen belegten die russische Verantwortung, lehnte es jedoch ab, konkrete Beweise vorzulegen. Berlin bestellte den russischen Botschafter ein, ordnete die Schließung des russischen Konsulats in Bonn zum 18. September an, kündigte den Vertrag für das Kulturzentrum „Russisches Haus“ in Berlin und schlug weitere EU-Sanktionen vor. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte am folgenden Tag, der Komplott trage „alle Merkmale staatlich geförderten Terrorismus“. Russische Botschafter seien bereits von Mitgliedstaaten in ganz Europa einbestellt worden. Der Kontinent bewegt sich unverkennbar auf einen Krieg mit der größten Atommacht der Welt zu.
Um nicht zurückzustehen, kündigte Wolodymyr Selenskij am 1. September eine Sperrung des gesamten russischen Luftraums an und drohte, zivile Flugzeuge müssten die „völlig unsicheren“ Bedingungen meiden, die das ukrainische Militär schaffen werde. Diese Nummer wird in der realen Welt nichts bewirken, außer die Emotionen anzustacheln und eine weitere Beschleunigung des ohnehin schon starken Anstiegs russischer Angriffe in der gesamten Ukraine herbeiführen. Der russische Präsident Putin bezeichnete die Ankündigung auf Nachfrage als einen weiteren Beweis dafür, dass Kiew „Staatsterrorismus“ als Politik betreibe.
In ihrem wöchentlichen internationalen Webcast am 2. September The Debate Over Nuclear War Is Real ging Helga Zepp-LaRouche auf die gegenwärtige globale Dualität ein. Die Mehrheit der Welt bewege sich in Richtung friedlicher Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen. Der Gipfel in Bischkek brachte zehn SCO-Mitgliedstaaten und fünfzehn Beobachterländer zusammen – was etwa 42 % der Weltbevölkerung, rund ein Drittel des globalen BIP und einen vergleichbaren Anteil der Landmasse ausmacht. Es seien Nationen, die sich dazu verpflichtet hätten, Konflikte durch Gespräche und Diplomatie zu lösen, so Zepp-LaRouche; sie bildeten „ein neues Modell der Zusammenarbeit“ und, in Verbindung mit den BRICS-Staaten, „eine neue Form der Weltordnung, in der kein Land dominiert und die anderen keine kolonialen Untertanen sind“.
Diese Dynamik setze sich nun fort, beim Östlichen Wirtschaftsforum vom 1. bis 4. September im russischen Wladiwostok, zu dem 5.000 Teilnehmer aus 70 Ländern erwartet werden, und anschließend beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi Mitte September. Asien verzeichne heute die einzigen echten Wachstumsraten weltweit – „eine Dynamik, die der Westen völlig ignoriert“.
„Die Anzeichen deuten also darauf hin, dass all die Bemühungen, die BRICS-Länder zu spalten und einzeln gegen sie vorzugehen, nicht wirklich gut funktionieren“, so Zepp-LaRouche. Dies sei die zukünftige Dynamik der Welt, „vorausgesetzt, die wahnsinnigen Elemente im Westen ruinieren nicht alles mit einem Atomkrieg“. Dies sei ein Modell dafür, wie Länder zusammenarbeiten könnten. Wenn die europäischen Länder und die Vereinigten Staaten vernünftig würden und statt Konfrontation die Hand ausstreckten und sich bereit erklärten, zum gemeinsamen Wohl der Menschheit zusammenzuarbeiten, könnten alle Probleme relativ leicht gelöst werden. Diese Einsicht sei jedoch gegenwärtig noch nicht in Sicht, so Zepp-LaRouche.
Hier können Sie den Mitschnitt des Seminars ansehen, welches das deutsche Schiller-Institut am 1. September veranstaltete: Der freie Fall der deutschen Wirtschaft muß gestoppt werden!
Inhalt
NEUES PARADIGMA
- Präsident Xi über die historische Verantwortung der SCO
- 70 Nationen beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok vertreten
- „Stahl-Seidenstraße“ wird transkontinentalen Korridor vervollständigen
- Wird es im November ein Treffen von Trump mit Putin und Xi geben?
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Krieg gegen Iran weitet sich erneut aus
- Deutsche Regierung eskaliert Konflikt mit Russland
- Putin äußert sich zu Großbritannien und Deutschland