Gewalt bricht aus, weil Paradigmen aufeinanderprallen
In den letzten Monaten hat Helga Zepp-LaRouche oft darauf hingewiesen, dass die Welt einen Zusammenprall von zwei gegensätzlichen Paradigmen erlebt – dem der untergehenden imperialen Ordnung und dem einer großen Nationengemeinschaft –, und dass die Umwälzungen im Zuge dieses Prozesses erst noch chaotischer würden, bevor sich die Lage beruhigt. Es sollte keine Überraschung sein, wenn infolge eines solchen Zusammenpralls der Systeme weltweit das Chaos immer mehr zunimmt.
In Südwestasien bestätigten die jemenitischen Houthis oder Ansarallah am 10. Oktober, dass sie den König-Chalid-Flughafen in Riad angegriffen hatten, wobei 13 Menschen getötet und über 300 verletzt wurden. Der Flughafen wurde dann am Sonntag wieder angegriffen, ebenso der König-Fahd-Flughafen in Dammam und zwei Aramco-Anlagen – die Schugadam-Gasanlage und die Tanadschib-Ölraffinerie. Saudi-Arabien unternahm Vergeltungsschläge gegen den Jemen.
Mit dieser Eskalation kommt in der Region, die ohnehin schon am Rande einer unkontrollierbaren Abwärtsspirale steht, ein weiterer Zünder hinzu. Saudi-Arabien veröffentlichte eine gemeinsame Erklärung mit Pakistan, der Türkei und Ägypten, in der sie die Houthi-Angriffe verurteilten, was auch die USA und viele andere Regierungen taten. Damit droht eine zusätzliche Beteiligung Pakistans und der Türkei, die kürzlich den Mekka-Verteidigungspakt mit Saudi-Arabien geschlossen und darin versprochen haben, „ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle“. Beide Länder zögerten, sich an den Kämpfen zu beteiligen, während sich die Feindseligkeiten zwischen Saudi-Arabien und den Houthis verschärften, werden aber nun zu einer Entscheidung gedrängt. Als US-Präsident Trump am 10. Oktober gefragt wurde, ob die USA vor hätten, sich dem saudischen Luftkrieg gegen die Houthis anzuschließen, antwortete er: „Vielleicht. Wir werden das prüfen.“
Angesichts der ohnehin schon düsteren Aussichten für die Volkswirtschaften weltweit und der zentralen Rolle der Region für den Welthandel können diese Entwicklungen nur eine Verschlechterung der Lage bedeuten.
Unterdessen hat Trump – offenbar aus Verzweiflung über das völlige Scheitern seiner Iran-Politik – im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine für großen Wirbel gesorgt. Nachdem er den amtierenden ukrainischen Präsidenten Selensky aufgefordert hatte, Angriffe auf russische Ölinfrastruktur einzustellen oder sein Amt niederzulegen, kursieren nun Berichte, wonach die USA damit gedroht haben, die Weitergabe von Geheimdienstinformationen und/oder die Waffenverkäufe einzustellen. Am Sonntag verkündete Trump dann einen „Energie-Waffenstillstand“, von dem offenbar keine der beiden Seiten etwas wusste.
Natürlich wird nichts davon die eigentlichen Probleme lösen – es ist lediglich Ausdruck der Verzweiflung in den USA und dem Westen darüber, dass ihre Politik an ihre Grenzen stößt. Ein ähnliches Phänomen ist in Europa zu beobachten, wo massenhaft Demonstranten auf die Straßen strömen, die über den Mangel an Zukunftsperspektiven und über die Heuchelei ihrer Regierungen frustriert sind.
Es wäre naiv zu glauben, dass dies nur örtliche Reaktionen auf Einzelfragen sind. Der Schleier seliger Arroganz, der nach den Morden an Präsident Kennedy und anderen Staatsmännern in den 1960er Jahren im Westen errichtet wurde – verkörpert durch Francis Fukuyamas Ende der Geschichte, Thomas Friedmans Die Welt ist flach und Josep Borrells Mär von Europa als „Garten“ und dem Rest der Welt als „Dschungel“ –, wird jetzt zerrissen. Gleichzeitig macht die Globale Mehrheit, der in den letzten Jahrzehnten der Aufstieg zu modernen Industriegesellschaften weitgehend verwehrt war, nun ihr Recht auf eine neue, postkoloniale Existenz geltend.
Wir brauchen dringender denn je Initiativen, die in dieser Zeit des Umbruchs mutig den Weg weisen. Nicht, um hier und da Pflaster aufzukleben, sondern um eine neue globale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur aufzubauen, die die Menschheit auf einen Kurs bringt, auf dem sie ihr wahres Potenzial ausschöpfen kann.
Inhalt
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Hintergrund
- Houthis greifen Flughafen von Riad an
- Tankerkrieg an der Straße von Hormus geht weiter
NEUES PARADIGMA
- Großkundgebung von Studenten für Präsident Lula in Sao Paulo
ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEM
- Trump erklärt einseitig einen „Energie-Waffenstillstand“ im Ukraine-Krieg
- Britischer Verteidigungsminister kritisiert Trumps Diesel-Deal mit Russland
- Proteste in Neu-Delhi wegen Bereinigung der Wählerverzeichnisse
- Celso Amorim warnt vor Washingtons Offensive gegen Souveränität