Eine neue Art der Staatsführung
Für die Neokonservativen und Oligarchen an der Wall Street und in der Londoner City läuft es nicht gut. Mit der Fortführung des Krieges der USA und Israels in Südwestasien und neuen Formen der Wirtschaftskriegsführung gegen jede Nation, die als „Feind“ gilt, zeigen sich die Grenzen der Wirksamkeit dieser Strategien. Die unipolare Ordnung der Nachkriegszeit zerbröckelt immer schneller vor unseren Augen – auch wenn noch nicht feststeht, was an die Stelle dieses Systems treten wird.
Das jüngste Beispiel dieser Misserfolge erlebt derzeit der US-„Verbündete“ Saudi-Arabien, dessen Ölexportkapazitäten aufgrund des rücksichtslosen Vorgehens der USA zu einem großen Teil gerade lahmgelegt wurden. Die Houthi-Führung in Jemen hat nun erhebliche Kontrolle über die Meerenge von Bab el-Mandeb im Roten Meer; eine Blockade aller mit Saudi-Arabien in Verbindung stehenden Schiffe wurde angekündigt. Ende letzter Woche haben irakische Widerstandskräfte zudem die Ost-West-Rohölpipeline Saudi-Arabiens schwer beschädigt. Diese war erst kürzlich zu einer wichtigen Lebensader geworden, nachdem der Iran die Straße von Hormus gesperrt hatte. Mit explodierenden Benzin- und Dieselpreisen und einem Konflikt, dessen Ende nicht in Sicht ist, hat die Trump-Regierung offensichtlich nicht nur einen eskalierenden Konflikt in dieser Region ausgelöst, sondern auch eine Kettenreaktion in der Weltwirtschaft, deren Folgen noch Jahre lang zu spüren sein werden.
Die Brent-Rohölpreise schlossen am 14. September bei über 105 Dollar pro Barrel, während die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen zum ersten Mal seit 2023 über 5 % stiegen. US-Präsident Trump und Finanzminister Scott Bessent versuchen verzweifelt, Wählern und Investoren zu versichern, dass sich bald alles wieder einrenken wird, doch das scheint ihnen niemand abzunehmen.
Wie der gerade beendete BRICS-Gipfel in Neu Delhi gezeigt hat, verfehlt die US-Politik imperialer Einschüchterung ihr Ziel. Der diesjährige Gipfel machte deutlich, dass die Gruppe zunehmend geeint ist und sich sogar Länder wie Indien und China, deren Beziehungen angespannt sind, einander annähern. Trotz vieler Differenzen verurteilte die gemeinsame Erklärung der BRICS-Staaten einstimmig die Sanktionspolitik und das Vorgehen gegen Iberoamerika. Iran und Russland – die oft als auf der Weltbühne isoliert bezeichnet werden – spielten eine zentrale Rolle bei dem Treffen, und es gab bedeutende Fortschritte bei der Etablierung eines nicht-westlichen Zahlungssystems und unabhängigerer Handelswege. Die BRICS-Entwicklungsbank, die sich bisher weitgehend in das Dollarsystem eingebunden hatte, und daher westlichen Sanktionen gegen Rußland folgte, scheint nun einen anderen Kurs einzuschlagen.
Dies ist kein linearer Prozess, der sich einfach als Konfrontation zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ erklären lässt. Wie der große deutsche Dichter Friedrich Schiller sagte, ist die Errichtung eines wahren Systems politischer Freiheit unter den Völkern „das vollkommenste aller Kunstwerke“, das der notwendigerweise freie – und schöpferische – Mensch hervorbringt. Die Herausforderung, vor der die Welt steht, darf nicht auf eine einfache Gleichung reduziert werden, sondern muss vielmehr der Natur dessen entsprechen, worum es geht – um den Menschen.
Wie Lyndon LaRouche die Herausforderung in seinem Werk „Der kommende Dialog eurasischer Zivilisationen – Die nächsten 50 Jahre der Erde“ aus dem Jahr 2004 formulierte:
„Das Prinzip der souveränen Republik kann nicht aus einem Kopierer wiedergeboren oder unter Anleitung gestohlener geheimer Diagramme aufgebaut werden; es muss aus einem lebendigen Samen heranwachsen, wie jeder andere lebende Organismus auch. Das Wissen um dieses Prinzip muss innerhalb jeder bestehenden nationalen Kultur entwickelt werden, und zwar ausgehend von dem universellen Prinzip, das der gesamten menschlichen Natur gemeinsam ist. Dieses Prinzip erscheint wie ein Keim der Entdeckung universellen Wissens, der in jedem Angehörigen einer nationalen Sprachkultur vorhanden ist. Die Entfaltung dieses Keims im Prozess der jeweiligen Kultur ist die einzig wahre Grundlage für das Prinzip der nationalen Souveränität und für die moderne souveräne Form der Republik.“
Weit entfernt von einer a-priori-Formel „internationaler Beziehungen“, wie sie vom US-Außenministerium gepredigt wird, müssen diejenigen, die die zukünftigen Beziehungen zwischen den Nationen der Welt gestalten, die Prinzipien des Dialogs und der Staatskunst entdecken. Das Gedenkkonzert vom 11. September in New York City „Beethovens Neunte – Ein Weg aus dem Krieg“ ist für jeden, der daran mitarbeiten möchte, die beste Inspiration.
Inhalt
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Saudischer Kronprinz sucht Hilfe
- Treffen in Oman zur Straße von Hormus verschoben
- Russischer Beschuss gegen ukrainische Infrastruktur
- Trump: Moskau und Kiew wollen Angriffe auf Energieziele stoppen
NEUES PARADIGMA
- Chinesisches Außenministerium zum Treffen zwischen Xi und Modi
KOLLABIERENDES IMPERIALES SYSTEM
- Beschädigte saudische Pipeline belastet globale Ölmärkte
- Junge Union: Merz ist ein Stimmenkiller