Die Wirtschaft und Staatskunst der Hoffnung
Man muss versuchen, die kommenden zwei Wochen – mit Wahlen in Brasilien am 24. Oktober, in Israel am 27. Oktober und in den USA am 3. November – in den übergeordneten Kontext einzuordnen. Das Treffen von Papst Leo XIV. in Assisi vom 25. bis 27. Oktober, das dem Dialog für den Frieden gewidmet ist, ist ein Ausdruck dieses übergeordneten Rahmens. Geopolitische Pragmatiker brauchen jedoch etwas Konkreteres. Wir stellen die folgende Hypothese auf, was die eigentlichen Prozesse hinter den „sich überschlagenden Ereignissen“ sind – Ereignisse, die lediglich Schatten einer zugrunde liegenden Realität sind, über die gewöhnlich nichts gesagt wird.
„Das praktische Problem, mit dem sich der … Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und auch der Rest der Welt auseinandersetzen muss, besteht darin, dass es für die derzeit heranstürmende allgemeine Zusammenbruchskrise des gegenwärtigen Weltwährungs- und -finanzsystems mit frei schwankenden Wechselkursen keine andere Lösung gibt, als alle Überreste unabhängiger Zentralbanksysteme durch eine Insolvenzsanierung des bestehenden Weltwährungs- und -finanzsystems zu beseitigen…“ Diese Aussage machte der verstorbene Ökonom und Staatsmann Lyndon H. LaRouche 2004 während seiner achten und letzten Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten. Sie beschreibt den unausgesprochenen, komplexen Bereich: den Ozean, in dem die „geopolitischen Fische“, die selbst nur ihre kleinen Teiche kennen, tatsächlich schwimmen.
Diese Aussage, die 22 Jahre alt ist – in gewisser Weise sogar gerade deshalb, weil sie 22 Jahre alt ist –, kann uns heute mehr darüber sagen, als die meisten Geopolitiker gerne zugeben würden, was die treibende Kraft hin zu einem neuen Weltkrieg und Atomkrieg ist; mehr darüber, was sich in Südwestasien immer schneller zusammenbraut; und mehr darüber, warum die NATO einen Krieg gegen Russland führt, den sie nicht gewinnen kann und aus dem sich die Vereinigten Staaten trotz der Proteste aus Europa zurückziehen wollen.
Die transatlantische Welt ist hoffnungslos bankrott, mit einem System, das nicht mit ein paar Milliarden, sondern weit über 2 Billiarden Dollar verschuldet ist. Keine Kryptowährung-Tricksereien, keine Bitcoin-Pirouette, keine „Derivate von Derivaten“-Magie kann es retten. Der imperiale politische Überbau, der einmal viele Namen trug – „neue Weltordnung“, „regelbasierte Ordnung“, „unipolare Welt“ – ist weg.
Für den Globalen Süden, für Russland oder China ist das nichts Neues. Die Maßnahmen, die die BRICS-Staaten in den letzten Jahren einzeln und gemeinsam ergriffen haben – darunter wichtige globale Initiativen für wirtschaftliche Entwicklung, Regierungsführung, Zivilisation/Kultur und Sicherheit –, können den Weg für eine neue Diplomatie und sogar eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur ebnen. Die transatlantische Welt kann diesen Weg mitgehen, wenn sie es nur will. Aber es ist nicht möglich, diesen Weg zum Überleben einzuschlagen und sich gleichzeitig weiter zu weigern, alle Menschen auf der Welt als gleichberechtigte Menschen anzuerkennen.
Der chinesische Außenminister Wang Ye ermahnte am Donnerstag den israelischen Präsidenten Isaac Herzog: „China hat stets die Auffassung vertreten, dass die Palästina-Frage das größte historische Unrecht dieses Jahrhunderts ist und dass die Zwei-Staaten-Lösung der richtige Weg zur Lösung dieser Frage ist…“ Chinas Wirtschaftspolitik gegenüber dem Globalen Süden und der eigenen Bevölkerung steht im Einklang mit dieser Sichtweise auf die „Palästina-Frage“ und auf die Menschheit.
Im Gegensatz dazu wirbt US-Präsident Donald Trump offen für die Wiederwahl von Benjamin Netanjahu als „einzig mögliche Wahl“ für die Führung Israels. Die Frage ist: Führen wohin? Ein aktuelles Dokument von Generalmajor a.D. Tamir Hyman, Nachrichtendienst-Chef der israelischen Streitkräfte von 2018 bis 2021, gibt Aufschluss darüber.
Hyman stellt die Frage: „Spiegelt das Sicherheitskonzept, das sich nach dem 7. Oktober informell herausgebildet hat, einen grundlegenden Wandel in der Identität des Staates wider?“ Als ersten „Grundsatz des sich abzeichnenden neuen Konzepts“ nennt er den „Vorrang der jüdischen Identität vor der Demokratie“: „Die jüdische Identität des Staates hat Vorrang vor seinem demokratischen Regierungssystem. Diese Priorität soll das Fortbestehen Israels als jüdischer Staat gewährleisten, selbst auf Kosten einer Aushöhlung seiner demokratischen Werte.“ Israel hat das durchlaufen, was Friedrich Nietzsche als „Umwertung der Werte“ bezeichnete.
Wer nun meint „Israel war schon immer so“, der übersieht die zugrunde liegende Triebkraft, auf die LaRouche hinweist, die auch die Epstein-Klasse und den mit ihr verbundenen Trump antreibt. Die deutsche Wirtschaftspolitik der 1930er Jahre unter Hjalmar Schacht, dem Mitbegründer der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, sowie die der Bank von England unter Montague Norman waren die treibende Kraft hinter Nationalsozialismus und Faschismus im Allgemeinen. Heute werden wieder dieselben Strategien verfolgt, und sie müssen besiegt werden, weil eine Welt voller Atomwaffen sonst nicht überleben wird.
Die Politik der westeuropäischen Staaten, sich „bis 2030 für einen Krieg mit Russland aufzurüsten“, entspringt derselben Weltanschauung wie das genannte israelische „neue nationale Sicherheitskonzept“. Sie ist Nietzscheanisch. Sie ist barbarisch. Und sie wird auch die Epstein-Klasse nicht vor dem unvermeidlichen Bankrott retten.
Dieses Menschenbild ist das genaue Gegenteil dessen, was Papst Leo XIV. zu bewirken versucht, sowohl in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas als auch Ende des Monats, vom 27. bis 29. Oktober in Assisi, bei einer Versammlung der Weltreligionen und weiterer Akteure zum 40. Jahrestag einer ähnlichen Friedensinitiative von Papst Johannes Paul II. Das 400-köpfige Jugendorchester „New World Symphony“, das am vergangenen Wochenende auf die Straßen von Paris zog, verkörpert die kreative, gewaltfreie „Staatskunst der Hoffnung“. Auch die unabhängige US-Präsidentschaftskandidatur von Diane Sare, die Helga Zepp-LaRouches Zehn Prinzipien für eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur unterstützt, verkörpert diese Staatskunst der Hoffnung. Werden Sie sich dieser Staatskunst der Hoffnung anschließen?
Inhalt
ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEM
- Bis zu 800.000 Demonstranten in Frankreich – Anarchisten und Provokateure sollen sie diskreditieren
- Frankreichs Zukunft: Katastrophe oder neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur?
NEUES PARADIGMA
- Demonstranten in Paris nutzen klassische Musik gegen die Gewalt von Polizei und Provokateuren
- Papst spricht nach erfolgreicher Operation wieder zur Menge auf dem Petersplatz
- China mahnt Israel: Palästina ist das „größte historische Unrecht dieses Jahrhunderts“
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Trump erwägt Lockerung von Sanktionen gegen die „Schattenflotte“
- Emirate beteiligen sich wieder am eskalierenden Jemen-Krieg
- El-Sisi: Ägypten würde „auf Anfrage Saudi-Arabien verteidigen“
- Trump bekräftigt uneingeschränkte Unterstützung für den „Krieger“ Netanjahu