Die Entscheidung nach dem Gipfel in Peking: Zusammenarbeit oder (un)kontrollierter Zerfall
Am 14. Mai trafen sich die Präsidenten Xi Jinping und Donald Trump in Peking und stellten „eine konstruktive chinesisch-amerikanische Beziehung von strategischer Stabilität“ in Aussicht – einen Dreijahresrahmen, einen institutionalisierten Wirtschaftskanal und Terminabsprachen auf hoher Ebene bis zum Jahresende. Der Händedruck beider Staatsmänner in der Großen Halle des Volkes war der Beginn eines möglichen Weges weg vom Abgrund. Am selben Tag wurde jedoch in London und Washington auch der Weg in die entgegengesetzte Richtung geebnet. Das EIR-Krisenforum am 15. Mai wird die Wahl zwischen diesen beiden Möglichkeiten sowie das Programm untersuchen, das erforderlich ist, um die Welt wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.
Die Öffnung in Peking wurde außerdem durch das strategische Scheitern des US-israelischen Krieges gegen den Iran ermöglicht, der nicht die Ergebnisse gebracht hat, die seine Planer so zuversichtlich prognostiziert hatten. Helga Zepp-LaRouche benannte in ihrem wöchentlichen Webcast am 13. Mai diesen Wandel: „Die Tatsache, dass ein mittelgroßes Land den Vereinigten Staaten, der stärksten Militärmacht der Welt, mehr als zwei Monate lang standhalten konnte – das verändert das strategische Schachbrett vollständig.“ Die amerikanische Doktrin der letzten Jahrzehnte – zu verhindern, dass irgendein Land „die USA wirtschaftlich, politisch oder militärisch an Stärke übertrifft“ – sei in der realen Welt widerlegt worden. China habe zugesehen. Ebenso die Golfstaaten, die nun, wie Zepp-LaRouche es ausdrückte, „in Aufruhr“ seien, weil „die US-Stützpunkte kein Schutz, sondern eine Belastung sind“.
Die Kosten des Krieges, der diesen Wandel herbeigeführt hat, sind jedoch überwältigend, und der größte Teil davon ist noch gar nicht spürbar. Der angerichtete Schaden ist das beste Beispiel dafür, wohin der falsche Weg führt. Das Welternährungsprogramm rechnet damit, dass weitere 45 Millionen Menschen in akute Hungersnot geraten werden, wodurch die weltweite Gesamtzahl auf über 319 Millionen steigt – ein Allzeitrekord. Die gesamten finanziellen Kosten des Krieges, einschließlich des zerstörten Produktionskapitals und der entgangenen Produktion, liegen in der Größenordnung von 4 Billionen Dollar. Die vom Pentagon am 29. April genannte Zahl von 25 Milliarden Dollar entspricht weniger als 1 Prozent der tatsächlichen Kosten. Anders ausgedrückt: Militärausgaben können Kosten verursachen, die an anderer Stelle 100-mal höher sind. Die Maßnahmen des Iran in der Straße von Hormus – eine völlig vorhersehbare Reaktion – zeigen ihre Wirkung in der gesamten Weltwirtschaft.
Mitte der 1970er Jahre veröffentlichte der New York Council on Foreign Relations das „Projekt der 80er Jahre“, das ausdrücklich die „kontrollierte Desintegration“ der Weltwirtschaft als Mittel zur Aufrechterhaltung der politischen Kontrolle des Establishments forderte. Im November 1978 erklärte der damalige Vorsitzende der US-Notenbank, Paul Volcker, in England, dass „ein kontrollierter Zerfall der Weltwirtschaft ein legitimes Ziel für die 1980er Jahre ist“, und begann sich für dessen Verwirklichung einzusetzen. Der Plan existiert also als Modell.
Und derselbe Weg wird weiter ausgebaut. In Großbritannien veröffentlichte der Londoner Council on Geostrategy diesen Monat einen Bericht, in dem eine „substrategische“ Nuklearkapazität gefordert wird, über die das Vereinigte Königreich seit den 1990er Jahren nicht mehr verfügt, einschließlich einer Verdreifachung der Anschaffungen der nuklearfähigen US-Kampfflugzeuge vom Typ F-35A, um auf der Eskalationsleiter gegen Russland eine „Sprosse“ höher zu steigen. In Washington hat US-Energieminister Chris Wright erklärt, die Vereinigten Staaten hätten zwar keinen “technischen” Bedarf, Atomtests wieder aufzunehmen – dies jedoch „aus anderen Gründen“ politischer Natur tun könnten. Das Haushaltsamt des Kongresses schätzte diese Woche, Präsident Trumps Raketenabwehrprogramm „Golden Dome“ werde über 20 Jahre hinweg 1,2 Billionen Dollar kosten, wäre aber nicht in der Lage, Angriffe eines gleichwertigen Gegners abzuwehren. Beides sind bewusste Schritte – politischer oder finanzieller Art – in Richtung einer fortgesetzten strategischen Eskalation, die mit einer ernsthaften Auslegung des Trump-Xi-Rahmenabkommens unvereinbar sind.
China bietet einen anderen Weg an: Eine echte Zusammenarbeit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt ist mit einem kontrollierten Zerfall unvereinbar. Der zwischen Bessent und He Lifeng vereinbarte Wirtschaftskanal, die Aussicht auf eine Handelskommission sowie der parallele multilaterale Ansatz beim BRICS-Außenministertreffen in Neu-Delhi und der Jahresversammlung der Neuen Entwicklungsbank in Moskau bilden die Architektur eines anderen Weges. Es sind Schritte von Staaten, die anerkennen, was Zepp-LaRouche seit vier Jahren betont: „Die gegenwärtige Ordnung zerfällt eindeutig. Daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt für dieses Konzept“ – eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, die, wie sie sagt, „die Interessen jedes einzelnen Landes berücksichtigen muss, sonst wird sie nicht funktionieren.“
Dieses Konzept ist das zentrale Thema des am 15. Mai stattfindenden EIR-Krisenforumsmit dem Titel „Der Iran-Krieg und der ‚kontrollierte Zerfall‘ der Weltwirtschaft“. Zu den Referenten gehören Helga Zepp-LaRouche, ein iranischer Botschafter, der Princeton-Professor Richard Falk, der ehemalige Präsident von Guyana, Donald Ramotar, ein brasilianischer BRICS-Experte, der nigerianische Investigativjournalist David Hundeyin, ein ehemaliger indischer Regierungsbeamter sowie Dennis Small, iberoamerikanischer Redakteur von EIR. Das Forum findet am Freitag, dem 15. Mai, um 17:00 Uhr MEZ online über Zoom statt und wird live auf YouTube übertragen, mit Simultanübersetzung ins Spanische, Französische und Deutsche.
Um die Veranstaltung in den richtigen Kontext zu setzen, sagte Zepp-LaRouche in ihrem letzten Webcast: Wenn Sie teilnehmen, können Sie Ihre Ideen einbringen und müssen nicht nur zuschauen – was in Zeiten wie diesen keine gute Idee ist.“
Der Gipfel in Peking hat eine Chance geschaffen. Bei der Diskussionsrunde von EIR wird über das gesprochen, was als Nächstes benötigt wird. Schalten Sie ein; begeistern Sie andere dafür. Die Zeit drängt.
Inhalt
NEUES PARADIGMA
- Xi und Trump stellen konstruktive Beziehungen zwischen den USA und China in Aussicht
- Trump über die historischen Beziehungen zwischen den USA und China
- Internationale Reaktionen auf den Gipfel in Peking: Moskau begrüßt ihn, die westliche Presse sucht nach Konflikten
STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR
- Chinesische Schiffe passieren ungehindert die Straße von Hormus
- Ein weiterer Geheimdienst-Leak zeigt: Der Iran verfügt weiter über erhebliche Raketenkapazitäten
- Großbritanniens fehlende „Sprosse“ auf der nuklearen Eskalationsleiter
ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEM
- Mercedes verkauft seine Niederlassungen in Berlin