Den Faktor des Wahnsinns in der Geschichte nicht unterschätzen

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Den Faktor des Wahnsinns in der Geschichte nicht unterschätzen
Auch wenn die Zwischenwahlen stattfinden, wird die insgesamt beschleunigende Entwicklung hin zu Atomkrieg und wirtschaftlichem Zusammenbruch kaum betroffen sein. Quelle: CC/Phil Roeder

Ganz gleich, welche Partei bei den US-Zwischenwahlen als Sieger hervorgeht – die Auszählung der Stimmen ist zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Leitartikels noch im Gange –, der sich beschleunigende Kurs zu Atomkrieg und Wirtschaftskollaps – zwei miteinander verflochtene Elemente desselben verrotteten imperialen Systems – wird davon kaum beeinflusst werden. Wie immer mehr Amerikaner mittlerweile erkennen, sind beide US-Parteien zu Vasallen des oligarchischen Systems geworden, das gerade seinen Einfluss auf das Weltgeschehen verliert, und beide schwenken fröhlich die Fahne des Krieges, sei es gegen Russland, den Iran oder beide. Diese Wahl wird keine entscheidenden Weichenstellungen bringen.

Zwei Fragen dominieren derzeit die strategische Landschaft: 1. Wird Donald Trump den Iran – möglicherweise mit einer Atomwaffe – in den Tagen nach der Wahl angreifen, so wie es Netanjahu gefordert hat? Und 2. Wenn sich Trump, Putin und Xi beim bevorstehenden APEC-Gipfel treffen, könnten die USA dann vom Abgrund zurückgehalten und in eine neue Dynamik geführt werden?

Was den ersten Punkt betrifft, so gibt es zahlreiche Reaktionen und Stellungnahmen nach Tucker Carlsons Warnung vom 1. November, dass Trump möglicherweise nur noch Tage davon entfernt sei, einen Atomangriff auf den Iran anzuordnen. Sie reichen vom National Iranian American Council, der ganz vernünftig zu einer sofortigen Mobilisierung aufruft, um ein solch schreckliches Szenario zu verhindern, bis hin zu Hans Kristensen, dem Direktor des Nuclear Information Project, der in einem Interview mit The War Zone zutreffend sagte: „Es wäre ein Verstoß gegen das internationale Kriegsrecht und hätte verheerende Folgen für die US-Außenpolitik sowie für die Bemühungen zur Verhinderung der Verbreitung und des Einsatzes von Atomwaffen“ – allerdings mit der unrichtigen Einschätzung, dass dies daher „höchst unwahrscheinlich“ sei.

Man unterschätze niemals den Faktor des Wahnsinns in der Geschichte.

„Die heutige Weltordnung durchläuft eine systemische Krise“, schrieb der russische Akademiker Sergej Glasjew in einem Artikel vom 27. Oktober, „angetrieben durch den Wandel der technologischen und weltwirtschaftlichen Paradigmen. Nicht nur die alte Architektur der internationalen Sicherheit bricht zusammen; auch die wirtschaftlichen Machtzentren, das Finanzsystem, die technologischen Vorreiter und die Grundprinzipien des internationalen Engagements befinden sich im Wandel… Die alten internationalen Institutionen sind nicht mehr in der Lage, für Stabilität zu sorgen, während sich neue inmitten eines Kampfes zwischen den alten und den neuen Machtzentren herausbilden.“ Dieser Kampf, so warnte er, könnte „zum Ausbruch eines Atomkrieges“ führen.

Wie könnte inmitten dieser Lage ein trilaterales Treffen der Präsidenten der drei Großmächte – der USA, Russlands und Chinas – diese Dynamik verändern? Es gibt Anzeichen dafür, dass ein solches Treffen auf dem bevorstehenden APEC-Gipfel vom 18. bis 19. November in Shenzhen möglich werden könnte: In seiner täglichen Pressekonferenz bestätigte der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow: „Die Vorbereitungen für ein solches Treffen laufen, und sie werden hoffentlich in den nächsten Tagen abgeschlossen sein.“

Wichtig ist der Kontext für ein solches Treffen. In den vergangenen Wochen fand sowohl in China als auch in Russland eine Vielzahl von Konferenzen und Gipfeltreffen statt, vom Global Governance Forum in Xiong’an bis zum Russland-Afrika-Gipfel in Moskau, bei dem Vertreter aus fast allen Ländern der Welt zusammenkamen, um die Grundlagen für neue Vereinbarungen zwischen den Nationen zu erörtern – von Sicherheit, Wirtschaft und Landwirtschaft bis hin zu Infrastruktur und Kultur. Ein neues System nimmt Gestalt an. Während dieser Zeit haben sowohl China als auch Russland intensive diplomatische Bemühungen unternommen, um für Sicherheit in der Nahostregion zu sorgen und Vorschläge zur Beendigung des Krieges gegen den Iran vorzulegen.

Könnten die USA bei einem solchen Treffen der Staatschefs zu einem neuen Kurs finden – einem Weg, der es ermöglicht, der „Thukydides-Falle“ zu entkommen? „Die Thukydides-Falle“, versicherte Xi Jinping während seine Staatsbesuchs in den USA im September, „kann überwunden werden.“

Und welche Rolle muss die Bevölkerung spielen? Welche Rolle kann die Bevölkerung in einem Land spielen, dessen Institutionen weitgehend im Griff einer Bande vom Schlage Epsteins sind? Diane Sare, die unabhängige Kandidatin für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, wird auf einer Veranstaltung am 8. November diese Frage zu beantworten suchen: „Wie können wir dem amerikanischen Volk verständlich machen, dass unser Wohlstand nur dann garantiert ist, wenn das Wohlergehen der gesamten Menschheit gesichert ist?“

Damit müssen sich nicht nur die Amerikaner, sondern die ganze Welt in dieser vor uns liegenden, äußerst gefährlichen Zeit auseinandersetzen.


Inhalt

NEUES PARADIGMA

  • Kreml: Pläne für ein Treffen zwischen Putin, Trump und Xi bald unter Dach und Fach
  • Israel: Plan für eine „nationale Notstandsregierung“, um Netanjahu rasch abzusetzen

STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR

  • Tucker Carlsons Warnung und der Zusammenbruch der alten Ordnung
  • Netanjahu übt Druck auf Trump aus, die Bombardierung des Iran wieder aufzunehmen
  • USA führen „defensive Schläge“ gegen den Iran
  • Putin und Rezaei bekräftigen die strategische Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran
  • Stellvertretender iranischer Sicherheitschef trifft chinesischen Außenminister in Peking

USA UND KANADA

  • Trump am Wahltag: die jährlichen 4 Milliarden US-Dollar für Israel werden gestrichen
  • Marjorie Taylor Greene zu Trumps Kürzung der Finanzhilfen für Israel
  • Wird in Russland der erste Atomzug verkehren?

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